Dies ist ein Auszug aus dem Buch Der Ukraine-Krieg: Hintergründe – Schauplätze – Folgen
Autor: Rainer Gievers - Publiziert am 26. Juni 2022
In diesem Kapitel haben wir kleine Geschichten und Fakten gesammelt, über die unsere Medien nur flüchtig, falsch oder überhaupt nicht berichtet haben.
Jedes Militär versieht seine Fahrzeuge mit Symbolen, damit Einheiten schnell identifiziert werden können. Das ist auch bei den Russen nicht anders. Dort kommen in der Ukraine die folgenden Symbole zum Einsatz1:
Die Symbole sind meistens an mehreren Stellen auf den Fahrzeugen großflächig mit weißer Farbe aufgepinselt. Das könnte mit der Freund-Feind-Erkennung zu tun haben, denn Russen und Ukrainer verwenden überwiegend die die gleichen Fahrzeuge aus Sowjetzeiten.
Laut einem russischen Soldaten wurde das »Z« lange geheim gehalten. In seiner Einheit wurden zunächst am 19. Februar zwei diagonale weiße Klebestreifen auf die Fahrzeuge geklebt, die erst kurz vor dem Kampfeintritt am 24. Februar mit einem diagonalen Balken ergänzt wurden2.

Ukrainische Soldaten posieren vor einem eroberten russischen Panzer mit dem Z-Symbol.3\
Das Z-Symbol, welches keine Entsprechung im kyrillischem Alphabet hat, wird von der russischen Propaganda im In- und Ausland eingesetzt. Ein offizielles Verbot des »Z« gibt es in Deutschland übrigens nicht4, aber im Zusammenhang mit der Verherrlichung des russischen Angriffskriegs kann dessen Verwendung verboten sein. Bundesweit sollen bis Ende April 2022 170 Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Billigung einer Straftat (§140 StGB) eingeleitet worden sein5.
In Hamburg wurde am 25. Oktober 2022 ein Mann zu 80 Tagessätzen je 50 Euro verurteilt, weil er auf seinem Auto einen »Z-«Aufkleber angebracht hatte. Vermutlich handelt es sich dabei um die erste Verurteilung in der Hansestadt wegen Billigung einer Straftat in Zusammenhang mit dem russischen Militärsymbol6.
Was das »Z«-Symbol genau bedeutet und wer es »erfunden« hat, ist unklar. »Z« ist kein russischer Buchstabe, ist unverstehbar und hat keinerlei Referenzen in der russischen Kultur7.
Aus Gründen der Sensibilität haben Unternehmen in einigen Ländern freiwillig den Buchstaben »Z« aus Logos und Produktnamen entfernt, darunter die Zurich-Versicherung auf der eigenen Website und Samsung beim Galaxy Z Flip in den baltischen Staaten8.

»Z« auf einem Werbedisplay in Russland mit dem Text »#Wir lassen unsere Eigenen nicht zurück«9.
Der Kreml liebt keine Zufälle, weshalb alle Pro-Kriegsdemonstrationen immer perfekt organisiert und choreografiert sind10.
Fragt man Teilnehmer nach dem Grund für ihre Anwesenheit, dann bricht die strahlende Fassade zusammen und das häßliche Russland kommt zum Vorschein:
»Warum sind Sie hierher gekommen?«
»Sie haben uns angerufen.«
»Haben sie gesagt, wohin Sie gehen?«
»Nein, sie sagten, es wird eine Veranstaltung sein, das ist alles.«
Staatsbedienstete stellen die überwiegende Masse der Teilnehmer -- die Regierung verpflichtet einfach alle, die irgendwie auf einer staatlichen Gehaltsliste stehen, zu kommen.
Der Ablauf ist einfach: Die Leute müssen an bestimmten Abholpunkten erscheinen, werden mit dem Bus zur Veranstaltung gebracht, stehen dort gelangweilt herum, werden gegebenenfalls verpflegt und später wieder in den Bus nach Hause gesetzt. Es ist übrigens nicht im Interesse der Veranstalter, dass die Kundgebungsteilnehmer miteinander interagieren, denn das würde vom Staat unerwünschte Eigeninitiative bedeuten.
Die ernorme Größe der Pro-Kriegs-Kundgebungen erklärt sich durch Druck von oben. Schafft es eine Behörde nicht, die befohlene Teilnehmerzahl bereitzustellen, dann wird dessen Chef gefeuert.

Veranstaltung mit Putin in Sewastopol in 201811.

Ein Video zeigt junge Russen, die vor der US-Botschaft in Moskau gegen die westliche Militärhilfe für die Ukraine demonstrieren (Gesichter vom Autor unkenntlich gemacht)12. Dabei halten sie Fotos von Kriegsversehrten in der Hand. Grund für den pathetischen Protest: Der Westen solle keine Waffen mehr in die Ukraine zu schicken, die russische Soldaten töten und verletzen. Vielleicht sollten die russischen Soldaten einfach nicht in der Ukraine sein?
Auch diese Demonstration war unserer Ansicht nach von russischen Behörden organisiert, wie die professionelle Aufmachung der Plakatte zeigt, denn privat ins Leben gerufene Demonstrationen würden nicht genehmigt beziehungsweise sofort von der Polizei aufgelöst.
Ein Russe schreibt dazu im sozialen Netzwerk Twitter13:
Es wurden Anzeigen geschaltet, in denen Studenten unter 25 Jahren gesucht wurden, die an einer sozialen Sensibilisierungskampagne für Zivilisten teilnehmen sollten, die bei der Sonderoperation verletzt wurden. Mein Freund erzählte mir, dass diese Jugendlichen ein paar Tausend Rubel für das Drehen eines Videos bekamen und auf eine Liste für zukünftige Jobs gesetzt wurden. Seine Schwester war dort.
Diese Angaben lassen sich natürlich nicht überprüfen, aber entsprechen der typischen Vorgehensweise.
In sozialen Medien finden Sie tausende Fotos und Videos von Plünderungen durch russische Soldaten.

Ein russischer Panzer transportiert Diebesgut14. Anton Gerashchenko, ein ukrainischer Regierungsberater, schreibt dazu: »Schätze russischer Marodeure: Die 5 wichtigsten Dinge, die russische Truppen in der Ukraine gestohlen haben: Unterwäsche, Socken, Militärschuhe, Wasserkocher, Waschmaschine«

Dieses Denkmal aus der Sowjetzeit wurde »aufgewertet«15. In der Beschreibung heißt es dazu: »Das sowjetische Denkmal für die Soldaten der Roten Armee in Czernowitz wird neu interpretiert: eine mit Kunstblut bespritzte Waschmaschine und andere Haushaltsgeräte sind davor aufgestellt. Der Künstler Taras Polataiko sagt, die russische Armee setze die Praktiken der Plünderung und Vergewaltigung der Roten Armee fort«

Ein weiteres kreativ verunstaltetes Denkmal: »In #Litoměřice, Tschechische Republik, haben Unbekannte eine Waschmaschine auf den Sockel eines Denkmals für die Soldaten der Roten Armee gezeichnet.«16
Im April 2022 veröffentlichte das ukrainische Verteidigungsministerium ein Überwachungsvideo, das es in sich hat17:
Ohne Bewertung, nur Beweise. Postamt in Mozyr, Belarus. 3 Stunden Videomaterial von Sicherheitskameras. Eine endlose Schlange russischer Soldaten, die gerade aus der Region Kiew zurückgekehrt sind und das, was sie in der Ukraine geplündert haben, nach Hause schicken.
Sie können sich das Video auch selbst auf YouTube unter https://youtu.be/6vyY4rnJ7lA anschauen. Die verschickte »Beute« umfasste Fernseher, Klimaanlagen, E-Scooter, PC-Komponenten, Autobatterien usw.
Es stellt sich natürlich die Frage, wie die Ukrainer an die Aufnahmen gelangt sind. Die Antwort ist erstaunlich simpel: Offenbar streamte das Postamt seine Überwachungskamera auf der eigenen Website, wo das Video abgegriffen werden konnte. Weitere Aufnahmen wird es aber nicht geben, weil man die Kamera inzwischen permanent deaktivierte.

Standbild aus dem YouTube-Video (Gesichter wurden von uns unkenntlich gemacht).
Aus der YouTube-Beschreibung:
»Russische Soldaten, die die Beute aus der Ukraine über den CDEK-Lieferdienst nach Russland schicken. Mazyr, Belarus, 02.04.2022.
Am Samstag, den 2. April, schickten russische Soldaten in der Kuibyschewa-Straße 32 in Mazyr (Belarus) in der Ukraine gestohlene Gegenstände durch das Büro des russischen Expressdienstes CDEK.
Das Video zeigt vermutlich Soldaten des 56. Garde-Luftlande-Sturmregiments, das auf der besetzten Krim stationiert war.
Zuvor hatten die Redakteure des Hajun-Projekts (t.me/Hajun_BY) nur vermutet, dass die Dinge, die sie in großen Mengen nach Russland schicken, in der Ukraine gestohlen worden waren, aber....
Wir haben 3 Stunden Aufnahme von einer Kamera in diesem Büro erhalten, die am 2. April 2022 zwischen 11:30 und 15:00 Uhr gemacht wurde.
Das Video zeigt, wie russische Soldaten die Beute verschicken: Fernseher, Klimaanlagen, E-Scooter, Grafikkarten, Autobatterien und eine Menge anderer Dinge. In einem Moment ist eine Tasche aus einem ukrainischen Epicenter-Einkaufszentrum zu sehen.
Drei Stunden später schaltete CDEK die Kamera auf seiner Website ab, aber dieser Beweis ist mehr als genug.
Wir veröffentlichen 3 Stunden der Aufnahme unverändert und bitten den Sicherheitsdienst der Ukraine, diesem Video besondere Aufmerksamkeit zu schenken, da es die Gesichter, Telefonnummern und einige Dokumente russischer Soldaten zeigt, die offenbar ukrainische Häuser und Menschen geplündert haben.«
Das Überwachungsvideo hatte auch bald Konsequenzen. Angehörige erkannten18 darin den Belarussen Sergej K. als Mörder von drei Zivilisten in Butscha, worauf die zuständige ukrainische Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnahm19. Da sich der Beschuldigte außerhalb der Ukraine aufhält, dürfte eine erfolgreiche Anklage unwahrscheinlich sein. Allerdings sind Name und Adresse bekannt, sodass man für Sergej K. nicht ausschließen kann, dass von seinen Gewalttaten Betroffene -- darunter auch Folteropfer -- persönliche Rache nehmen.

Standbild aus dem YouTube-Video.
Auch die anderen Plünderer machten teilweise unangenehme Erfahrungen, denn laut dem Online-Magazin Mediazona kam es zu Lieferproblemen20. 45 von 69 Paketen, die nach Angaben des Projekts »Database« von russischen Soldaten über den Expressdienst aus dem Paketshop verschickt wurden, haben den Status »nicht übergeben« oder »Auftrag nicht gefunden«. 17 der Pakete dürften dagegen den Zielort erreicht haben.

Beschreibung: »Ein russischer Putin-kritischer Blogger veröffentlicht ein trauriges Video darüber, wie eine arme Witwe eines in der Ukraine gefallenen Soldaten gegen das russische Verteidigungsministerium um eine Entschädigung für den Tod ihres Mannes kämpft. In dem Video ist ein Kühlschrank zu sehen: mit einem Aufkleber des ukrainischen Garantiedienstes. 5000 km von der Ukraine entfernt. Die arme Witwe.«21 (Hinweis: Laut dem Medium Ukrainska Pravda ist nicht der Ehemann, sondern der Stiefsohn gefallen22).
Wie die britische Zeitung The Guardian berichtet, geschehen manche Plünderungen systematisch23. Ein internationales Expertenteam beobachtet, dass eine spezialisierte Bande wertvolle historische Artefakte aus der Ukraine nach Russland schmuggelt.
Die offenbar von staatlichen russischen Stellen beauftragten Diebe sollen es nicht nur auf Gegenstände wie bestimmte Gemälde und Ornamente abgesehen haben, sondern vor allem auf wertvolles skythisches Gold. Die Skythen waren ein antikes nomadisches Reitervolk, das unter anderem in der Region von Russland und Ukraine siedelte.
Ein Wissenschaftler sagte, dass man nicht sagen könne, ob der Geldwert oder der kulturelle Wert für die Russen der wichtigste Faktor sei. »Es besteht die Möglichkeit, dass das alles dazu dient, die Identität der Ukraine als eigenständiges Land zu untergraben, indem man den Eindruck erweckt, dass alle Exponate rechtmäßig in russischem Besitz sind.«
In einem Museum im von den Russen besetzten Melitopol24 wurden 250 Kunstgegenstände durch die Kriegshandlungen beschädigt oder zerstört. Ehemalige Mitarbeiter berichten außerdem von mindestens 198 Gegenständen, darunter Silbermünzen und wertvollen Waffen, die von den Besatzern geraubt wurden. Russische Truppen und Geheimdienstmitarbeiter sollen dabei gewesen sein, als ein Mann in einem weißen Laborkittel die mehr als 2.300 Jahre alten Artefakte vorsichtig aus Kisten entnahm und abtransportierte.
Raub kann auch in noch größerem Maßstab stattfinden. Der von den Russen eingesetzte Bürgermeister der besetzten Hafenstadt Mariupol hat Ende Mai 2022 die »Verstaatlichung« von 34 im Hafen vorgefundenen Schiffen angekündigt25.
Am 31.05. verließ zudem das erste Schiff mit 2.500 Tonnen Stahl Mariupol26, was von der ukrainischen Regierung als Plünderung bezeichnet wurde.

Standbild aus einer Nachrichtensendung des staatlichen russischen TV, in dem über den Stahltransport berichtet wird27.
Die Ukraine war bis zum Krieg einer der weltweit größten Getreideproduzenten. Die Lieferung erfolgte fast ausschließlich über die ukrainischen Häfen, die nun zum großen Teil in den von Russland besetzten Gebieten liegen.
In einem Bericht der Ukrainska Pravda28 vom 6. Mai 2022 heißt es, dass Landwirte in den besetzten Gebieten vom Diebstahl ihrer Maschinen und ihrer Vorräte berichten und vom Zwang, ihre Ernte unter Wert zu verkaufen. In den Städten soll es dagegen zu einem erheblichen Preisanstieg der Lebensmittel gekommen sein.
Hunderttausende Tonnen Getreide aus den Region Cherson, Saporischschja, Luhansk und Donezk sei gestohlen und ausgeführt worden. Das Gleiche gelte auch für Gemüse und landwirtschaftliche Maschinen.
In ukrainischen Lagern befanden sich im Mai 2022 den Angaben der Ukrainska Pravda nach 20 Millionen Tonnen Getreide, davon 1,5 Millionen Tonnen (im Wert von 2 Milliarden US-Dollar) in den russisch besetzten Gebieten.
Wegen der besetzten Häfen musste die Ukraine für den Getreideexport auf den Landweg, mit LKW und Bahn ausweichen. Vielleicht fragen Sie sich, was dies alles mit Europa oder der Welt zu tun hat, wo die Ukraine doch so weit weg ist? Leider sehr viel! Die Ukraine versorgt nach eigenen Angaben 400 Millionen Menschen mit Lebensmitteln. So beziehen beispielsweise der Libanon und Ägypten über 80 Prozent ihres Getreides aus der Ukraine und Russland. Selbst Länder, wie Sri Lanka, die Getreide aus anderen Quellen beziehen, sind von den in Folge des Ukraine-Kriegs gestiegenen Getreide- und Treibstoffpreisen betroffen29.
Ein Lichtblick war die Rückeroberung der Schlangeninsel, weshalb wieder Schiffstransporte über die Donau möglich sind.
Russland hatte sich bereits im Mai 2022 bereit erklärt, die eroberten Häfen für den Getreideexport freizugeben, verlangte dafür aber eine Aufhebung der verhängten Sanktionen30. Am 22. Juli 2022 konnte mit türkischer Vermittlung eine Abmachung geschlossen werden, sodass wieder Getreidelieferungen von ukrainischen Häfen möglich sind31.
Der Berater des ukrainischen Präsidenten, Michail Podoljak, betont32:
»Bezüglich des Istanbuler Abkommens "über die Ausfuhr von ukrainischem Getreide"
Die Ukraine unterzeichnet keine Dokumente mit Russland. Wir unterzeichnen ein Abkommen mit der Türkei und der UNO und gehen Verpflichtungen gegenüber ihnen ein. Russland unterzeichnet ein Spiegelabkommen mit der Türkei und der UNO.
Keine Transportbegleitung durch russische Schiffe und keine Präsenz von russischen Vertretern in unseren Häfen. Im Falle von Provokationen eine sofortige militärische Antwort.
Alle Inspektionen von Transportschiffen werden von gemeinsamen Gruppen in türkischen Gewässern durchgeführt, falls ein solcher Bedarf besteht.«
Das Abkommen soll zunächst 120 Tage gelten.
Natürlich stellt sich sofort die Frage, warum Russland in der Frage der Seetransporte von Getreide einlenkte33. Vorher lief ja alles »prächtig«, denn der Ukraine fehlte eine wichtige Einnahmequelle und Russland konnte die weltweite Nahrungsmittelkrise auf den Gegner schieben. Dafür war allerdings Russland auch selbst von einem westlichen Boykott für Getreide und Düngemittel betroffen.
Aber: Die russischen Partnerländer Türkei, Ägypten, Saudi-Arabien, Israel und Iran kamen in der Folgezeit wegen der gestiegenen Nahrungs- und Düngemittelpreise unter Druck. Die russische Strategie hatte sich als fehlerhaft erwiesen.
Parallel zu dem Getreideabkommen wurde Russland der Export von Getreide und Düngemitteln erleichtert. Im Gegensatz zum Anschein, dass durch das Abkommen nur die Ukraine profitiert, hat also auch Russland etwas davon.
Einen Tag, nachdem das Abkommen besiegelt wurde, schlugen zwei Raketen im Hafen von Odessa ein. Zwei weitere konnten nach Angaben der ukrainischen Regierung abgeschossen werden34.
Am 1. August 2022 konnte das erste Frachtschiff mit 26.000 Tonnen Mais die wegen möglicher Minen nicht gerade ungefährliche Fahrt von Odessa nach Tripolis im Libanon antreten35.
Das polnische Zentrum für östliche Studien schrieb am 4. Oktober 202236:
Am 1. Oktober sind zwei Monate vergangen, seit das erste mit ukrainischem Getreide beladene Schiff aus Odesa ausgelaufen ist. [...] Seitdem haben 241 Schiffe den Getreidekorridor genutzt und fast 5,5 Millionen Tonnen Getreide exportiert -- hauptsächlich Mais (47 %), Weizen (27 %), Raps und Sonnenblumenöl (jeweils 7 % [...]). Die Nahrungsmittel gingen vor allem nach Spanien (1,1 Millionen Tonnen, dem wichtigsten Abnehmer der Ukraine in der EU auch vor der Invasion), in die Türkei (905.000 Tonnen), nach Italien (515.000 Tonnen) und nach China (363.000 Tonnen [...]). Nach Regionen betrachtet, entfielen die meisten Ausfuhren auf europäische Länder (48 %) und Asien (39 %), der Rest (13 %) ging nach Afrika.
Russland setzte das Abkommen am 29. Oktober 2022 für einige Tage aus, nachdem die Ukraine deren Kriegsschiffe angegriffen hatte. Bis dahin wurden mehr als 9 Millionen Tonnen Mais, Weizen, Sonnenblumenprodukte, Gerste, Raps und Soja exportiert37. Aktuell ist unklar, wie es nach dem automatischen Ablauf des Getreideabkommens weitergeht.
Problemlos waren die Transporte ohnehin nicht. Die Ukraine beschwerte sich zwischenzeitlich darüber, dass Moskau fast 200 Schiffe an der Abholung von Getreideladungen gehindert hatte.
Der Kreml und seine lautstarken Propandisten haben wiederholt die Existenz der Ukraine und anderer ehemaliger Ostblockländer in Frage gestellt. In einer symbolischen Aktion hat Kiew darauf reagiert38: Da Moskau vor fast 900 Jahren von einem Fürsten aus Kiew gegründet wurde, hat sich der Stadtrat von Kiew herausgenommen, dessen Gründung zu widerrufen. Moskau existiert also nicht mehr.

Der Text lautet (Übersetzung des Autors):
»Exekutivorgan des Stadtrats von Kiew, Anordnung Nr. 367 vom 07.06.2022
Korrektur des Fehlers eines höheren Beamten der Stadt Kiew
Gemäß Artikel 319, 327 des Bürgerlichen Gesetzbuchs der Ukraine, Artikel 137 des Handelsgesetzbuchs der Ukraine, Teil 7 des Artikels 53 des Gesetzes "Über die kommunale Selbstverwaltung der Ukraine", wird das Dekret des Großherzogs von Kiew, des Herrschers der Kiewer Rus, Yuri Vladimirovich Dolgoruky, "Über die Gründung der Stadt Moskau", veröffentlicht 1147, für ungültig erklärt, weil es sich um ein historisches Missverständnis handelt.«
Ein russischer Parlamentarier von »Einiges Russland« hatte zuvor vorgeschlagen, die Resolution des Staatsrates der UdSSR »Über die Anerkennung der Unabhängigkeit der Republik Litauen« vom 6. September 1991 aufzuheben. Er legte einen entsprechenden Gesetzentwurf dem russischen Parlament zur Prüfung vor.
Zur Begründung des Gesetzentwurfs verweist der Abgeordnete auf Änderungen in der russischen Verfassung, die besagen, dass die Russische Föderation der Rechtsnachfolger der UdSSR (Sowjetunion) auf ihrem Territorium ist. Fedorov ist der Ansicht, dass die Resolution des Staatsrates der UdSSR illegal ist, da sie von einem verfassungswidrigen Organ angenommen wurde und gegen die Anforderungen einer Reihe von Artikeln der Verfassung verstößt.
Der litauische Parlamentsabgeordnete Matas Maldeikis reagierte passend auf Twitter39:
»Wenn Russland seine 1991 erfolgte Anerkennung der Unabhängigkeit Litauens widerruft, wird Litauen den Vertrag von Polyanowka aus dem Jahr 1634 widerrufen und verlangen, dass Putin sich der Autorität von Władysław IV. unterwirft und alle besetzten Gebiete an das Großherzogtum zurückgibt. Smolensk ist Litauen!«
Dazu muss man wissen, dass Litauen vor Jahrhunderten noch eine Großmacht war und zahlreiche jetzt russische Gebiete besaß.
Der russische Verteidigungsminister parierte darauf im Staatsfernsehen mit Polemik:
»Komm und hole dir Smolensk«.
Antwort von Matas Maldeikis40:
»Der Typ hat mich gerade eingeladen, in Russland einzumarschieren! Nein danke, ich habe schon eine Waschmaschine.« (in Anspielung auf Diebstähle von Haushaltsgeräten durch russische Soldaten).
Zahlreiche Organisationen und Einzelpersonen sammeln Geld- und Sachspenden für ukrainische Hilfsprojekte. Einige Sammelaktionen kommen auch direkt ukrainischen Soldaten für die Anschaffung von Ausrüstung zu Gute.
Eine kreative Aktion haben sich einige ukrainische Soldaten ausgedacht: Für eine Spende von 40 US-Dollar wird ein kurzer Text, den der Spender selbst wählen darf, auf ein anschließend verschossenes 152 mm-Projektil gemalt. Für 400 US-Dollar kann man auch eine BUK-Rakete beschriften lassen.

Foto: CasultiesOfTheDay41

Beweisfoto: »Falls sich jemand wundert, unser Artillerist im Feld ist absolut zuverlässig (englisches Wortspiel: er liefert)«42. Die Beschriftung des Projektils im Foto lautet »All pigs musst die« (alle Schweine müssen sterben).
9. Teil: Lesen Sie hier weiter
https://de.wikipedia.org/wiki/Z_(Milit%C3%A4r-_und_Propagandazeichen
https://twitter.com/ChrisO_wiki/status/1560355212132491268
https://twitter.com/walter_report/status/1536020086032633858/photo/1
https://www.tagesschau.de/inland/z-symbol-russland-verbot-101.html
https://mediendienst-integration.de/artikel/anfeindungen-im-zusammenhang-mit-dem-ukraine-krieg.html
https://twitter.com/hwieduwilt/status/1584828844581998592
https://twitter.com/kamilkazani/status/1525853394107215873
https://en.wikipedia.org/wiki/Z_(military_symbol)#Business
https://twitter.com/UA_struggle/status/1508820789440700421/photo/1
https://twitter.com/kamilkazani/status/1504910499418234882
http://static.kremlin.ru/media/events/photos/big2x/hDOvNySlEvrbSR1qIEpUmP9skLdlKDJp.jpg
https://twitter.com/abnyn1/status/1559637088122945537
https://twitter.com/PutinHasNoPenis/status/1559682273003405313
https://twitter.com/Gerashchenko_en/status/1535961670555672578/photo/1
https://twitter.com/olgatokariuk/status/1536598464313888768/photo/1
https://twitter.com/nexta_tv/status/1585151315901980672/photo/1
https://twitter.com/DefenceU/status/1510555041526169606
https://www.facebook.com/dima.replianchuk/posts/5143381822396003
https://twitter.com/olehbatkovych/status/1521886316895555585 (Foto der Mordopfer)
https://mediazona.by/news/2022/04/13/disappeared
https://twitter.com/sumlenny/status/1548956357868527616/photo/1
https://www.yahoo.com/news/family-dead-russian-soldier-demanding-150839097.html
https://www.theguardian.com/world/2022/jun/12/specialist-gang-targeting-ukrainian-treasures-for-removal-to-russia
https://www.rferl.org/a/russia-ukraine-looting-scythian-gold/31829109.html
https://odessa-journal.com/the-invaders-stole-34-ships-in-the-port-of-mariupol/
https://www.reuters.com/world/europe/first-ship-leaves-mariupol-since-russia-took-city-separatist-leader-2022-05-31/
https://twitter.com/nexta_tv/status/1532679055295889409
https://www.epravda.com.ua/rus/publications/2022/05/6/686713/
https://www.washingtonpost.com/world/2022/04/17/sri-lanka-crisis-default-ukraine/
https://www.reuters.com/world/europe/putin-russia-ready-facilitate-unfettered-grains-supply-ukraine-2022-05-30/
https://www.agrarheute.com/markt/marktfruechte/getreidepreise-stuerzen-ab-abkommen-ueber-ukrainische-getreideexporte-596026
https://twitter.com/Podolyak_M/status/1550434640585949186
https://twitter.com/AlexGabuev/status/1550537176592822272
https://www.bbc.com/news/world-europe-62276392
https://twitter.com/yarotrof/status/1553997768007553026
https://www.osw.waw.pl/en/publikacje/analyses/2022-10-04/ukraine-after-two-months-food-corridor-operation-a-success
https://www.reuters.com/world/europe/russia-suspends-participation-deal-ukraine-grain-exports-tass-2022-10-29/
https://twitter.com/mhmck/status/1535261709463592961
https://twitter.com/MatasMaldeikis/status/1534831970043273218
https://twitter.com/nexta_tv/status/1535933794984857605
https://twitter.com/Ayei_Eloheichem/status/1535861016524795906
https://twitter.com/spawnofKahn/status/1536034213673181184/photo/1