Dies ist ein Auszug aus dem Buch Der Ukraine-Krieg: Hintergründe – Schauplätze – Folgen
Autor: Rainer Gievers - Publiziert am 26. Juni 2022
In der Ukraine greifen beide Kriegsparteien auf eine Vielzahl an Waffen zurück, die größenteils im kalten Krieg in der Sowjetunion entwickelt und produziert wurden. Mit der Auflösung des Ostblocks in den 1990er Jahren verblieb viel altes Militärgerät in der Ukraine, darunter sogar Atomwaffen, die später abgegeben wurden.
Die Ukraine war und ist auch als Waffenproduzent bekannt1. Unter dem Dach des staatlichen Unternehmens Ukroboronprom sind zahlreiche Rüstungshersteller vereint, wovon Flugzeughersteller Antonow hierzulande wohl der bekannteste ist. Größere Waffenimporte finden erst seit der russischen Annektion der Krim in 2014 statt2, als klar wurde, dass die eigenen Ressourcen nicht ausreichen.
Häufig erobern die Soldaten einer Kriegspartei auf dem Schlachtfeld das Material der anderen. Weil sowohl Ukrainer als auch Russen auf den gleichen Waffensystemen trainiert sind, können selbst komplexere Systeme wie Panzer oder Radarsysteme problemlos weiterverwendet werden. Die Russen sind allerdings inzwischen im Nachteil, denn sie können vom Westen gelieferten Waffensysteme, die ihnen in die Hände fallen, meistens nicht bedienen. Auch inkompatible Kaliber -- die von den Nato-Staaten an die Ukraine gelieferten Haubitzen benötigen Granaten mit 155 mm, während der russische Standard 152 mm beträgt, sind für die Weiternutzung ein Hindernis.
Wir glauben, dass für ein Verständnis des Kriegsverlaufs einige grundlegende Kentnisse über die genutzten Waffen sinnvoll sein könnte. Aber keine Bange, wir gehen nur auf die wichtigsten Aspekte ein. Für das weitere Verständnis dieses Buchs müssen Sie kein Militärexperte sein!
Wenn Sie möchten, können Sie dieses Kapitel auch einfach überlesen und kehren nur zurück, wenn Sie mehr über eine bestimmte Waffe wissen möchten.
Die russischen Soldaten scheinen nur sehr selten ihre bei Rückzügen zurückgelassenen Fahrzeuge und Waffen zu zerstören, was auf eine mangelnde Ausbildung hinweist. Zudem sind viele Brücken durch beide Kriegsparteien aus taktischen Gründen zerstört oder so stark beschädigt worden, dass sie schwere Fahrzeuge nicht mehr queren können.
Seit Beginn des Kriegs am 24. Februar haben die ukrainischen Streitkräfte mindestens 440 russische Kampfpanzer und 650 gepanzerte Fahrzeuge erbeutet. Laut einer Meldung des britischen Verteidigungsministeriums vom 7. Oktober 2022 stamme somit inzwischen »über die Hälfte der derzeit eingesetzten Panzerflotte der Ukraine« aus russischen Beständen3.
Bei der kombinierten Kriegsführung werden verschiedene Waffen einer Armee integriert, um eine sich gegenseitig ergänzende Wirkung zu erzielen. Beispielsweise können gleichzeitig Panzer und Infanterie ein Ziel angreifen. Davon zu unterscheiden sind unterstützende Waffen, bei der man einen Feind nacheinander mit mehreren verschiedenen Waffen angreift.
Kampfpanzer wie der T-72 sind mit einer meist schwerkalibrigen Kanone in einem schwenkbaren Turm ausgestattet. Ihre Aufgabe ist das Bekämpfen anderer Panzer und von befestigten Stellungen. Außerdem unterstützen Sie die Infanterie.
Die nur leicht gepanzerten Schützenpanzer wie der BMP-1 transportieren die Infanterie ins Gefecht und geben ihr Feuerunterstützung.
Der am häufigsten auf dem Schlachtfeld eingesetzte Kampfpanzer ist der T-72. Seit der Einführung im Jahr 1972 hat das Modell über die Jahre einige Kampfwertsteigerungen, vor allem bei der Panzerung, erhalten. Die Besatzung besteht aus 3 Mann (Kommandant, Fahrer und Richtschütze).
Im Laufe der Jahrzehnte wurden mehrere Zehntausend T-72 in verschiedenen Varianten produziert, nicht nur in der damaligen Sowjetunion, sondern auch in Polen, in der ČSSR (Tschechien), im damaligen Jugoslawien und Indien. Das Online-Lexikon Wikipedia listet rund 40 Staaten auf4, die noch heute diesen Panzer einsetzen oder zumindest als Reserve lagern. Auch die Bundeswehr kam auf diese Weise über die ehemalige NVA nach der Wiedervereinigung für kurze Zeit in den Besitz von T-72, gab diese aber an andere Länder ab. Eine Weiterentwicklung ist des T-72 ist der T-90.

Kampfpanzer T-72A. Foto: Vitaly V. Kuzmin (CC BY-SA 4.0) 5
Daneben spielen auf den ukrainischen Schlachtfeldern auch noch der T-64 und dessen Nachfolger T-80 eine gewisse Rolle. T-64 und T-72 wurden übrigens unabhängig voneinander entwickelt, das heißt, ein T-64 ist praktisch genauso leistungsfähig wie ein T-72. Gegenüber dem T-72 besitzen modernere T-64-Varianten sogar eine bessere Feuerleitanlage, sind also auf dem Gefechtsfeld leistungsfähiger.
Experten schätzten kurz vor dem Ukraine-Krieg, dass Russland insgesamt ca. 2.900 T-72, T-80 und T-90 im aktiven Dienst und weitere ca. 10.000 dieser Typen in der Reserve hält.
Vom T.64 sollen 2.000, von den technisch völlig veralteten Vorgängermodellen T-62 2.500 und vom T-55 (aus den 1950er Jahren!) 2.8006 in russischen Lagern stehen. Der ukrainische Militärnachrichtendienst ist allerdings der Ansicht, dass 90 Prozent aller gelagerten Panzer aufgrund fehlender Wartung nur noch Schrottwert haben.
Fortlaufende Modernisierungen während der Produktion führten zur Vergabe von Zusatzbezeichnungen für die bessere Unterscheidung. So wurde beispielsweise bei den Modellen T-72M und T-72B jeweils die Panzerung verstärkt.
Die Panzer haben alle eine große Schwachstelle. Weil die Munition ringsum im Turm gelagert wird, führt ein Treffer von Artillerie oder Panzerabwehrraketen häufig zu einer Kettenreaktion: Der Panzer »kocht auf«, das heißt, die im Gefährt vorhandene Munition geht mehr oder weniger gleichzeitig hoch. Unter Umständen explodiert dann der Panzer wie ein Druckkochtopf, nur dass statt einem Deckel der ca. 17 Tonnen (!) schwere Geschützturm mehrere dutzend Meter hoch in die Luft fliegt. In den sozialen Netzwerken und auf YouTube finden Sie hunderte Fotos und Videos, die diesen Effekt beziehungsweise das Ergebnis zeigen. Nur selten sieht man, dass Besatzungsmitglieder sich kurz vor der Exposion retten können. Im angelsächsischen Raum spricht man auch vom Jack-in-the-Box-Effekt, angelehnt an ein Spielzeug in Form einer Box, aus der eine Puppe herausspringt.
Für die Überwindung größerer Strecken können die russischen Panzer am Heck zwei bis drei Treibstofffässer mitführen, deren Inhalt als erstes verbraucht wird. Treffer in den gefüllten Fässern können für die Besatzung ebenfalls gefährlich werden.
Modernere Panzerdesigns der Nato wie der deutsche Leopard 2 setzen im Gegensatz zu den russischen Modellen auf eine von der Besatzung getrennt gelagerte Munition. Im Fall eines feindlichen Treffers sorgen Lüftungsklappen für den Druckausgleich, sodass selbst bei einer Munitionsexplosion die Besatzung überlebt.

Ein vom Panzer abgesprengter Geschützturm7.

»Wenn du in die russische Armee eintrittst, aber bei der russischen Luftwaffe endest«. Die Skizze zeigt die Position der Munition im Panzer8.
Ende Mai 2022 wurde bekannt, dass der Kreml auch das uralte Panzermodell T-62 in die Ukraine liefert. Eine Verzweiflungstat angesicht der horrenden Panzerverluste auf dem Schlachtfeld?
Der T-62 wurde in den 1950er Jahren entwickelt und bis 1975 produziert. Einsätze erfuhr der Panzer zuletzt in 2008 während eines kurzen Krieges in Georgien, wurde danach aber aus dem aktiven Dienst zurückgezogen. Das hat gute Gründe, denn der T-62 ist den von der Ukraine genutzten Waffensystemen in jeder Hinsicht unterlegen. Er hat eine kleinere Kanone (Kaliber 115 mm gegenüber 125 mm), eine dünnere Panzerung, veraltete Feuerleitsysteme und Funkgeräte, keine Nachtkampffähigkeit, eine geringere Geschwindigkeit und eine niedrigere Feuerrate. Die veraltete Waffenanlage ohne Autolader setzt zudem eine Besatzung von 4 statt den heute üblichen 3 Mann voraus.

Russische T-62 auf einem Bahntransport auf dem Weg an die Front9. Quelle: Ukrainisches Militär.
Die Meinung der Experten zum T-62-Einsatz gehen weit auseinander. Während das britische Verteidigungsministerium beispielsweise auf einen Mangel an modernen Gerät bei den Russen schließt10, ist der Militärexperte Michael Kofman anderer Ansicht. Er geht davon aus, dass einberufene Reservisten den T-62 nutzen sollen11. Auch der österreichische Militäranalytiker Markus Reisner sieht im T-64-Einsatz keine Probleme, denn Panzerschlachten, die moderne Gefährte voraussetzen, gäbe es in der Ukraine nicht12.
Die für den T-62 nötige Logistik dürfte eine Herausforderung darstellen, denn alle sonstigen Panzermodelle nutzen andere Bauteile und Munition.
Von den Ukrainern wurden bis November 2022 mindestens 48 russische T-62 an der Front zerstört beziehungsweise erobert13. Das älteste eroberte T-62-Modell stammt aus dem Jahr 1967. Ein russischer Medienbericht vom Oktober 2022 zeigt eine Panzerfabrik, in der T-62 für den Kriegseinsatz aufbereitet werden. Ingesamt sollen dann 800 T-62 für den Fronteinsatz bereit stehen14.
Der Ukraine-Krieg zeigt die Probleme der Panzer auf dem Schlachtfeld auf. Im Internet finden Sie hunderte Videos, die zeigen, wie kleine Soldatengruppen mit einer Panzerabwehrrakete ohne große Mühe Panzer ausschalten. Dieses Kapitel ist für Leser gedacht, die wissen möchten, was daraus für die Panzerwaffe folgt.
Heutzutage versucht man im Rahmen einer kombinierten Kriegsführung (siehe Kapitel Kombinierte Kriegsführung) Panzerabwehrwaffen frühzeitig auszuschalten. Daran scheint es allerdings bei der russischen Armee zu hapern. Dazu schreibt David Johnson, ein pensionierter Oberst der US-Armee15:
»Die russische Armee hat bewiesen, dass sie nicht in der Lage ist, mit kombinierten Waffen zu arbeiten und zu manövrieren. Wo ist die begleitende Infanterie mit den Panzerverbänden, die die von den ukrainischen Streitkräften ausgeführten Hinterhalte zerschlagen sollen? Wo sind die Mörser, die Artillerie und die Luftnahunterstützung? Wäre die russische Armee taktisch versiert, dann würden die Javelin und andere ATGMs (Panzerabwehrraketen) von der Artillerie oder der Luftunterstützung unterdrückt und ihre überlebenden Besatzungen von der russischen Infanterie aufgerieben werden. Bislang scheinen diese Schlüsselkompetenzen zu fehlen, und die russischen Soldaten zahlen einen hohen Preis für ihre Unvorbereitetheit.«
Schon seit Zeiten der Sowjetunion werden Panzer durch sogenannte ERA16 (explosive reactive Armour, Reaktivpanzerung) geschützt. Es handelt sich um Platten mit Sprengstoff, die außen am Panzer angebracht werden. Bei Beschuss explodieren die Platten und verhindern somit, dass das Geschoss in den Panzer eindringt. Gegen moderne Geschosse (sogenannte Tandem-Hohlladungen), die erst die ERA auslösen und dann die Panzerung durchdringen, bietet ERA aber keinen Schutz. ERA kommt sowohl auf russischer als auch auf ukrainischer Seite zum Einsatz.
Falls Sie sich jetzt Sorgen um die Panzerbesatzung machen, die ja mit außen liegenden Sprengstoff herumfährt, so dürfen wir Sie beruhigen. Das ERA löst nur bei explodierenden Granaten aus und ist sonst reaktiv extrem träge. Mit dem Beschuss durch ein Maschinengewehr lässt sich ERA nicht auslösen.

Ukrainischer Panzer mit ERA-Kacheln (haben ein Aussehen wie Ziegelsteine). Quelle: US-Botschaft in Kiew17.
Wie auch andere Länder entwickelte Russland Systeme zur aktiven Flugkörperabwehr. Die Shtora-118 ist aufgrund des vergleichsweise geringen Gewichts von 350 kg nicht nur für Panzer, sondern auch für BMP-Fahrzeuge (siehe Kapitel Schützenpanzer BMP) geeignet. Das System erkennt über einen Sensor lasergeführte Munition und stört diese durch einen Infrarotstrahler und einen Rauchvorhang. Die Panzerkanone wird zudem automatisch in die Richtung des Gegners (auf den Laser) ausgerichtet, was die Bekämpfung erleichtert. Es ist uns nicht bekannt, wieviele Shtora-1 produziert und wieviele davon in der Ukraine im Einsatz sind. Ohnehin stellt sich dessen Sinnfrage, weil viele moderne Panzerabwehrwaffen nicht mehr lasergesteuert sind, sondern selbst ins Ziel finden. Auch ungelenkte Projektile von einfachen Panzerfäusten lassen sich damit nicht abwehren.

T-90-Panzer mit Shtora-1 (die Pfeile zeigen auf die Infrarotstrahler, welche während einer Truppenparade mit einer runden Klappe abgedeckt sind). Foto: Dmitry Terekhov Odintsovo (CC BY-SA 2.0)19\
Der neue T-14 Armata (siehe Kapitel Die Panzerwaffe) soll mit einem verbesserten ERA namens Malachit, sowie dem aktivem Schutzsystem Afganit ausgestattet sein20. Letzteres basiert auf einem Radar, das eingehende Flugkörper erkennt und mit dem Ausstoß von Düppel (ähnlich Konfetti), Rauch und Leuchtkugeln reagiert. Gleichzeitig ist ein Funkstörsender aktiv, denn einige Raketensysteme der Nato sind Funkverbindungen angewiesen. Zum Schluss wird vom Afganit-Schutzsystem noch ein Geschoß in Richtung der eingehenden Rakete ausgestoßen.
Für die Panzer der Nato gibt es übrigens mit Trophy21 beziehungsweise MUSS22 ebenfalls aktive Schutzsysteme.
Die Ukraine und Russland setzen für Truppentransporte neben ungepanzerten Fahrzeugen auch Schützenpanzer des Typs BMP ein. BMP steht für »Boyevaya Mashina Pyekhoty« (Infantriegefechtsfahrzeug). Von Aufbau und Funktion her lässt sich der BMP mit dem Puma der Bundeswehr vergleichen.
Allein die beiden Gegnern zu Kriegsbeginn zur Verfügung stehende Stückzahl von mehreren hundert Exemplaren sorgte schon dafür, dass die BMPs häufig auf Fotos und in Videos von den Kampfhandlungen in der Ukraine auftauchen. Es lohnt sich also ein genauerer Blick auf diese Fahrzeuge.

Russischer BMP-2. Foto: Vitaly V. Kuzmin (CC BY-SA 4.0)23
Der Anfang der 1960er Jahre entwickelte BMP-1 war damals ein Meilenstein, weil erstmals für die Infantrie ein allseitig gepanzertes Transportfahrzeug zur Verfügung stand. Neben Kommandeur, Fahrer und Richtschütze bietet der BMP-1 Platz für bis zu 8 Soldaten mit ihrer Ausrüstung, die über zwei Türen auf der Rückseite ein- und aussteigen können. Über die im Turm verbaute 73-mm-Kanone und das Maschinengewehr kann der BMP-1 auch an Gefechten teilnehmen. Als nutzlos im Einsatz erwies sich die mitgelieferte Raketenbewaffung, da man die per Kabel verbundenen Geschosse mit einer Fernbedienung ins Ziel steuern musste, was sehr viel Geschick voraussetzte.
Nachdem der BMP-1 im Einsatz einige Schwächen zeigte, wurden Aufbau und Bewaffnung überarbeitet. Der ab 1980 eingeführte BMP-2 lässt sich sehr einfach an der kleineren Kanone mit nur noch 30 mm Kaliber erkennen. Je nach Variante waren zudem Granatenwerfer beziehungsweise Panzerabwehrraketen an Bord. Im Fahrzeug finden neben dem 3 Besatzungmitgliedern nur noch 7 statt 8 Soldaten Platz. Im Gegensatz zum BMP-1 kann der BMP-2 mit seiner voll stabilisierten Waffe auch während der Fahrt schießen.
Eine völlige Neuentwicklung ist der ab 1987 eingeführte BMP-3 mit 100-mm-Kanone und 30-mm-Maschinenkanone, die beide stabilisiert sind und somit während der Fahrt schießen können. 3 Maschinengewehre sorgen für zusätzlichen Schutz. Man kann aufgrund der schweren Bewaffung von einem kleinen Kampfpanzer sprechen. Wie beim BMP-2 finden 3 Besatzungsmitglieder und 7 Soldaten Platz.
Die verschiedenen BMP-Modelle und Varianten kamen im damaligen Ostblock und zahlreichen westlichen Ländern zum Einsatz. Natürlich wurden die Waffensysteme vieler Fahrzeuge im Laufe der Zeit einer Modernisierung zur Kampfwertsteigerung unterzogen.
Vor dem Ukraine-Krieg standen Russland zur Verfügung24:
Fährt der Schützenpanzer auf eine Mine, bedeutet das häufig auch den Tod der mitfahrenden Soldaten. Deshalb gibt es viele Fotos und Videos, bei denen die Soldaten auf dem Gefährt und nicht im Innenraum sitzen25. Klüger wäre es aber nach Ansicht von Experten, wenn Soldaten in Frontnähe nicht in oder auf, sondern mit Abstand neben dem Schützenpanzer laufen würden, der dann Feuerdeckung gibt.
Vereinfacht gesagt, ist die Aufgabe der Artillerie das Bekämpfen feindlicher Ziele auf größerer Entfernung.
Früher hat man unter Artillerie einfach großkalibrige Rohrwaffen verstanden, aber mit der Einführung von Raketenartillerie musste der Begriff neu definiert werden. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) definiert »Artillerie« im KSE-Vertrag von 199026:
»Der Begriff "Artillerie" bezeichnet großkalibrige Systeme, die Bodenziele in erster Linie durch Schießen im indirekten Richten bekämpfen können. Solche Artilleriesysteme bieten Truppenteilen der verbundenen Waffen die unerläßliche Unterstützung durch Feuer im indirekten Richten. Großkalibrige Artilleriesysteme sind Kanonen, Haubitzen sowie Artilleriewaffen, welche die Eigenschaften von Kanonen und Haubitzen miteinander verbinden, und Mörser sowie Mehrfachraketenwerfersysteme mit einem Kaliber von 100 Millimetern und darüber.«
Bei fest auf einem Fahrzeug montierten Rohrwaffen spricht man übrigens von Selbstfahrlafetten. Die Bezeichnung Panzerhaubitze erhalten Selbstfahrlafetten mit Geschützturm, Kettenfahrgestell und Splitterschutz beziehungsweise Panzerung27.
Kampfpanzer zählen nicht zur Artillerie -- sie erfüllen im Gefechtsfeld eine andere Funktion (siehe Kapitel Die Panzerwaffe).
Raketenwerfer bestehen aus einer selbstfahrenden oder gezogenen Lafette, auf der sich eine Abschussvorrichtung für ein oder mehrere meist ungelenkte Raketen befindet.
Für die russische Armee hat die Artillerie eine überragende Bedeutung, denn sie gleicht die unzureichende Anzahl an Bodentruppen aus. Die Strategie besteht darin, den Feind durch Beschuss aus seinen Stellungen zu vertreiben, um dann mit geringen Verlusten das Gelände einzunehmen. Das erklärt auch die Bilder von völlig zerstörten Städten aus den Frontgebieten. Die Russen sollen über zehmmal mehr Artilleriewaffen als die Ukrainer verfügen.
Am 28. Juni 2022 berichtete der oberste ukrainische General, dass alleine an der Frontlinie zwischen dem Gebiet Charkiw und Sievierodonetsk (beide Städte liegen in Luftlinie ca. 200 Kilometer auseinander, Anm. des Autors) 45.000 Schuss abgegeben wurden -- an einem Tag28.
Im Ukraine-Krieg kommen vor allem (durch LKW) gezogene Haubitzen mit den Kalibern 122 mm und 152 mm zum Einsatz. Eine Statistik der durch Ukrainer zerstörten beziehungsweise erbeuteten russischen Haubitzen29 zeigt, dass vor allem die 152 mm-Modelle D-30 und Masta-B zum Einsatz kommen. Abhängig von der verwendeten Munition beträgt deren Reichweite zwischen 24 bis 29 Kilometer30.
Auch bei den Lafetten sind auf dem Schlachfeld vornehmlich 152 mm-Kanonen aktiv. Die Selbstfahrlafette 2S3(M) Akatsiya verschießt Munition mit einer Reichweite von 18,5 beziehungsweise 24 Kilometer31. Bei der moderneren 2S19 Msta-S werden Ziele in 25 beziehungsweise 28,9 Kilometer getroffen32.
Raketenwerfer sind im Vergleich zu Artillerie-Geschützen sehr einfach und kostengünstig aufgebaut und zu bedienen, da sie genau genommen nur aus einem Rahmen mit Abschussrohren bestehen. Im angelsächsischen Raum spricht man vom MLRS (Multiple Rocket Launcher System, Mehrfachraketenwerfersystem). In alten Kriegsfilmen und Dokumentationen ist der im zweiten Weltkrieg genutzte Vorgänger als »Stalinorgel« zu sehen.
Man findet Raketenwerfer meistens nur weit hinter der Front, denn sie haben lange Ladezeiten und sind aufgrund der Rauchentwicklung leicht zu orten. Die Streubreite der Raketen ist recht hoch, weshalb sich das System nur für die Bekämpfung weitläufig verteilter Stellungen oder Truppenansammlungen eignet. Angriffe auf einzelne Panzer oder Schützengräben machen dagegen mangels Zielgenauigkeit und wegen der Munitionskosten keinen Sinn.

Fotos: Ukrainische BM-21 Grad im Einsatz33. Auf dem Foto sind die Rohre des Raketenwerfers zum Abschuss geladen (Pfeil), das nächste Foto zeigt den Abschuss.

Laut der Oryx-Website34, die alle Waffenverluste des Krieges dokumentiert, wurden bis zum 5. Juli 2022 89 russische Raketenwerfer zerstört oder von den Ukrainern unbeschädigt übernommen. Im Vergleich zu anderen von den Russen verlorenen Waffensystemen erscheint die Zahl niedrig, was darauf hindeutet, dass entweder nur wenige Systeme im Einsatz sind oder sie aufgrund des Abstands zur Front nur schwer zu vernichten sind.
Die Oryx-Verlustliste zeigt auch, dass vor allem BM-21 Grad genutzt werden. Das in den 1960ern entwickelte System besteht in seiner Grundform aus einem LKW mit 40 Abschussbehältern35, es wurden aber auch Varianten mit 12 (Luftlandetruppen), 22 (Marine, auf Schiff montiert), oder sogar 50 Abschussbehältern gebaut. Die Reichweite der Raketen beträgt maximal 20 km, in neueren Versionen bis 40 km.
Drei Minuten nach Erreichen des Abschussorts ist die Dreimannbesatzung feuerbereit und kann 30 Sekunden nach Abschuss wieder abfahren. Für das Nachladen wird mit 7 Minuten kalkuliert, der Abschuss aller 40 Raketen dauert minimal 20 Sekunden.
Es gibt mehr als 30 verschiedene Raketen- und Gefechtskopftypen, unter anderem mit Splittermunition, Antipersonenminen, Panzerminen, Brandmunition und sogenannten Bomblets (70 Sprengköpfe lösen sich aus der Rakete und verteilen sich weiträumig)36.
Der BM-27 Uragan ist offenbar seltener als die zuvor vorgestellte BM-21 Grad im Einsatz37, was an dessen komplizierteren Aufbau liegen könnte. Neben dem Raketenwerfer mit 16 Abschussrohren des Kaliber 220 mm wird ein Führungssystem benötigt38, das aus Feuerleitstand, Kommandoposten-Fahrzeug, drei Leitständen und weiteren Fahrzeugen besteht.
Von der Ankunft am Zielort bis zum Abfeuern vergehen rund 12 Minuten, aus vorbereiteter Stellung nur 3 Minuten. Nach dem Abschuss aller Raketen innerhalb von in der Regel 20 Sekunden kann der BM-27 Uragan nach 90 Sekunden die Stellung wieder verlassen. Das Nachladen mit einem Spezialfahrzeug dauert 20 Minuten39.
Die ungelenkten, rund 5 Meter langen Raketen mit einer Reichweite von maximal 35 km tragen 90 bis 100 kg Nutzlast, bei der es sich um Splittergranaten, Brandgranaten oder Bomblets handelt. Auch für die weiträumige Verteilung von Anti-Panzer- oder Anti-Personen-Minen stehen entsprechende Geschosse zur Verfügung40.
Jede Armee bevorzugt selbstfahrende Artillerie, denn der Gegner kann über Beobachter beziehungsweise Radar schnell deren Position ermitteln und mit Gegenfeuer reagieren. Nach wenigen Schüssen muss sich daher die Artillerie vom aktuellen Standort enfernen. Dafür sind selbstfahrende Artilleriesysteme ideal.
Die selbstfahrende Artillerie hat aber auch einige Nachteile:
Artillerie ist, angesichts der Zielentfernungen von manchmal mehreren dutzend Kilometern, niemals auf den Punkt genau. Das gilt besonders, wenn Fahrzeuge in Bewegung bekämpft werden müssen. Deshalb sind auch meistens mehrere Geschütze gleichzeitig aktiv.
Am Anfang der Artillerieentwicklung standen im Mittelalter massive Kugeln aus Stein oder Metall, die allein durch ihre kinetische Energie beim Aufprall Zerstörungen anrichteten. Heutige Geschosse sind hochkomplexe Granaten, die sich teilweise sogar sich selbst ins Ziel steuern. In diesem Kapitel soll es allerdings um die am häufigsten eingesetzten ungelenkten Sprenggranaten gehen. Diese zerteilen sich bei der Explosion in mehrere Schrapnellteile, welche eine starke Wirkung haben, selbst wenn sie nicht direkt einen Panzer treffen.
In einer vierjährigen Studie hat die US-Armee ab 1988 die Wirkung sowjetischer Artillerie (152 mm-Geschosse) untersucht41. Unter anderem beschoss man eine simulierte eingegrabene Panzereinheit mit Granaten, was 50 Prozent der Fahrzeuge vernichtete und 50 Prozent der simulierten Soldaten verwundete und tötete.
Auch die Frage, wie nah ein effektiver Treffer sein muss, wurde von der Studie beantwortet: Eine HE (hoch-explosiv)-Granate, die in 30 Meter Entfernung von einem gepanzerten Fahrzeug explodiert, kann es kampfunfähig machen. In allen Armeen ist heute Standard, dass Fahrzeuge Abstand zueinander einhalten, damit nicht mehrere gleichzeitig von einer einzigen Granate getroffen werden.
Der Blogger Chris Owen hat einige interessante Szenarien des Artilleriebeschusses zusammengestellt42:
Zusammengefasst: Auch wenn in Drohnenvideos von Artilleriegefechten viele Grananten scheinbar ihr Ziel verfehlen, so ist die Chance von Splitterschäden sehr hoch. Kaputte Geschützrohre und Funkgeräte oder verletzte Besatzungsmitglieder lassen sich in den Videos, die aus großer Höhe aufgenommen wurden, meistens nicht erkennen.

Alle Fahrzeuge in einer russischen Kolonne (markiert) halten einen größeren Abstand zueinander ein, damit bei Artilleriebeschuss nicht mehrere gleichzeitig getroffen werden43. Diese Kolonne wurde aber trotz aller Vorsicht kurze Zeit später vollständig vernichtet.

Vier Standbilder aus einem einzigen Video: Ein T-64-Panzer (Pfeil) der DNR-Kräfte wurde in Mariopul erst mit dem vierten (!) Schuss einer Panzerfaust/Panzerabwehrrakete vernichtet44. Bis zuletzt ist der Panzer tatsächlich noch bewegungsfähig.
Die Artilleriestellungen jeder Armee benötigen eine Feuerleitung, die anhand eingehender Daten von Beobachtern oder Drohnen das Ziel festlegt. Bei der russischen Armee läuft das noch ganz klassisch über eine lokale Feuerleitung, die für eine ganze Batterie zuständig ist. Die Ukrainer nutzen dagegen eine dezentrale Lösung, die wir hier vorstellen möchten.
Bei den Ukrainern kommt das Softwarepaket »GIS Art for Artillery« zum Einsatz45. Wie bei einem Lieferdienst erhalten damit die nächstgelegenen Waffensysteme nach Zieleingabe die Schusskoordinaten übermittelt. Geschütze, die über einen Feuerleitrechner verfügen, sind sogar direkt per Internet mit der GIS Art-Software verbunden. Es ist dann relativ einfach, Koordinaten und Zielzeit für mehrere Geschütze mit verschiedenen Kalibern zu programmieren und somit für die gleichzeitigen Einschläge der abgeschossenen Granaten zu sorgen.
Die Zeit zwischen Feueranforderung und Schussabgabe konnte so von 20 Minuten auf 30 Sekunden reduziert werden. Zum Vergleich: Die US-Armee benötigt aktuell für die Schussabgabe eine Stunde.
Mit dem System spart die ukrainische Artillerie nach eigenen Angaben auch viel Munition. Statt wie früher 60 bis 90 Schüsse mit den 122-Millimeter-Haubitzen, reichten heute 9 Schüsse für die Zerstörung einer feindlichen Stellung aus46.
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn, erwähnt in einem YouTube-Video47, dass die von den Niederlanden und Deutschland an die Ukraine ausgelieferte Panzerhaubitze 2000 auch eine direkte Anbindung an GIS Art erhalten hat. Dies dürfte die Effektivität der Waffe noch einmal erheblich steigern.

Screenshot der »GIS Art for Artillery«-Software48.
Für die russische Armee stellt die mit der ukrainischen Feuerleitsoftware verbundene Taktikänderung ein großes Problem dar, denn sie ist nicht mehr wie früher mit größeren gegnerischen Artilleriestellungen konfrontiert. Stattdessen wird das Ziel von verschiedensten ukrainischen Waffen beschossen, vom kleinen Mörser bis zum Raketenwerfer, die noch dazu räumlich weit auseinander positioniert sind. Die russischen Radare zur Erkennung und Bekämpfung von Artilleriestellungen sehen aber keine Batterieschüsse, sondern nur einzelne Geschütze über der gesamten Front, welche jeweils nur einzelne Granaten auf verschiedene Ziele abfeuern. Für die russischen Raketenwerfer, die mit großer Reichweite eine riesige Fläche auf einmal abdecken, sind aber einzelne gegnerische Geschütze kein geeignetes Ziel.
Der Feind ermittelt natürlich sofort nach Schussabgabe per Radar und Beobachtungsposten die Position des Feindes und wird ein sogenanntes Gegenfeuer mit seinen Geschützen einleiten. Deshalb verlassen die Ukrainer mit ihren Waffensystemen nach Schussabgabe sofort ihre Position, eine Strategie, die man auch als »shoot-and-scoot« (»schießen-und-abhauen«) bezeichnet. Umgekehrt wertet natürlich auch die ukrainische Seite die russische Artillerieaktivitäten aus und reagiert mit Gegenfeuer. Auf Twitter findet man ein Video, das zeigt, wie ein russischer Raketenwerfer nur wenige Sekunden nach Schussabgabe selbst unter Feuer gerät49.
Die GIS Art for Artillery-Software hat nur eine Schwachstelle: Für die Kommunikation zwischen den beteiligten Einheiten und der Feuerleitung wird eine Internetverbindung benötigt, für die man sich in Krisenzeiten nicht auf den Mobilfunk verlassen wollte. Deshalb nutzte die ukrainische Armee zunächst Internet-Modems mit KA-SAT-Satelliten des US-Unternehmens Viasat.
Am Tag des russischen Angriffs auf die Ukraine legte ein Cyberangriff in vielen Ländern alle KA-SAT-Modems still50. Betroffen war übrigens auch der deutsche Windradhersteller Enercon, der zeitweise die Kontrolle über ca. 5800 Anlagen verlor51. Viasat musste darauf hin weltweit ca. 30.000 defekte Modems austauschen.

Mehrere Starlink-Systeme stellen auf den Fotos die Internetversorgung sicher. Fotos: Mykhailo Fedorov52.
Als Ersatz für das offenbar leicht von den Russen hackbare KA-SAT-System begann die US-Regierung schon im Februar 2022 mit der Lieferung von Satelliten-Modems des Unternehmens Starlink an die Ukraine53.
Das von Elon Musk gegründete Unternehmen Starlink betreibt mehr als 2.300 Satelliten54, die weltweit einen schnellen Internetzugang ermöglichen. Benötigt wird nur eine von Starlink angebotene Satellitenschüssel mit Modem. Im Juni 2022 sollen 15.000 Starlink-Systeme mit 150.000, wohl größtenteils privaten Nutzern, in der Ukraine aktiv gewesen sein55. Durch Starlink, das russischen Störsendern widersteht, ist der reibungslose Betrieb der GIS Art-Software im gesamten Kriegsgebiet möglich.
Sogar im umkämpften Stahlwerk in Mariupol56 nutzten die wochenlang eingeschlossenen ukrainischen Soldaten Starlink für den Kontakt mit der Außenwelt. So fanden auch die eindringlichen Videoaufrufe und Fotos von Soldaten und sowie der im Stahlwerk versteckten Zivilisten ihren Weg an die weltweite Öffentlichkeit57.
Elon Musk, Chef des Raumfahrtunternehmens Xpace X, das Starlink betreibt, ist nicht unumstritten. Die von ihm auf dem sozialen Netzwerk Twitter veröffentlichten Meinungsäußerungen, beispielsweise ein Vergleich des kanadischen Premierministers mit Adolf Hitler oder die Promotion von Kryptowährungen haben manchmal über Tage den öffentlichen Diskurs bestimmt. Dazu trägt sicher bei, dass inzwischen mehr als 100 Millionen Nutzer seinem Twitter-Konto folgen58.
Am 3. Oktober sorgte Musk für weltweite Empörung, als er schrieb, dass die Krim russisch sei und dass die Scheinreferenden in den vier anderen besetzten ukrainischen Provinzen unter UN-Aufsicht wiederholt werden sollten. Nur im Falle einer Abstimmungsniederlage sollte Russland sich aus den besetzten Gebieten zurückziehen. Außerdem sollte sich die Ukraine zu langfristiger Neutralität verpflichten und die Wasserversorgung der Krim garantieren59.
Laut dem Leiter des Beratungsunternehmens für politische Risiken Eurasia Group, soll Elon Musk vor seinen umstrittenen Äußerungen mit Putin beziehungsweise dem Kreml über die Ukraine gesprochen haben60. Dies wurde kurz darauf von Elon Musk dementiert. Musk soll auch persönlich den Internetzugang über Starlink auf der Krim abgelehnt haben, weil er fürchtet, dass die Zurückeroberung durch die Ukrainer einen Atomkrieg auslösen würde61.
Die von Musk verwendeten Argumente ähneln allerdings der russischen Sprachreglung, in der in Bezug auf die Krim-Übertragung an die Ukraine im Jahr 1954 von einem Fehler des Politikers Chruschtschow gesprochen wird62.
Neben den im Kapitel Mehrfachraketenwerfer erwähnten Waffensystemen, die für Flächenbombardments eingesetzt werden, haben Russland und die Ukraine auch sogenannte Marschflugkörper im Depot.
Marschflugkörper, auch bekannt unter dem englischen Begriff »Cruise Missile«, unterscheiden sich von herkömmlichen Raketen durch ihrem permanenten Antrieb (meistens per Jetturbine), der bis ins Ziel aktiv ist. Außerdem besitzen sie eine Steuerung, die sie selbsttätig ins einprogrammierte Ziel lenkt. Der Start kann von U-Booten, Schiffen, vom Boden oder von Flugzeugen erfolgen.
Die vergleichsweise langsamen Marschflugkörper können einfach mit Flugabwehrraketen oder sogar von Kampfflugzeugen abgeschossen werden. Eine schultergestützte Boden-Luft-Rakete reicht dafür schon aus63.
Wegen der hohen Produktionskosten von mehr als einer Million US-Dollar pro Stück sind Marschflugkörper nur für die Bekämpfung von »hochwertigen« Zielen wie Munitionsdepots, Tanklager, Kommandozentralen oder Ähnlichem geeignet.
An dieser Stelle würde es zu weit führen, alle von Russland eingesetzten Marschflugkörper aufzulisten, weshalb wir uns auf einige Beispiele beschränken:
Für Russland haben die Marschflugkörper den Vorteil, dass sie vom eigenen Territorium abgeschossen werden können, sodass ein Gegenfeuer (Angriff der Abfeuerstellung) unmöglich ist. Dem Vorteil der hohen Reichweite, durch den jeder Punkt in der Ukraine erreichbar ist, steht die geringe Geschwindigkeit entgegen, sodass die ukrainische Flugabwehr zumindest einige rechtzeitig abschießt. Es gibt sogar ein Video vom Oktober 2022, in dem man sieht, wie ein ukrainischer Soldat einen Marschflugkörper mit seiner portablen Flugabwehrrakete abschießt67.
Aufgrund der hohen Anschaffungskosten dürften von Russland nur wenige Tausend Marschflugkörper auf Lager liegen.
Vielleicht hat die ukrainische Führung vor dem Krieg keinen großen Bedarf an Marschflugkörpern gesehen oder die millionenschweren Kosten pro Flugkörper überforderten das Verteidigungsbudget. Jedenfalls hat die Ukraine unseres Wissens mit der Neptun nur einen Anti-Schiff-Marschflugkörper mit maximal 280 km Reichweite im Arsenal, die trotzdem im Ukraine-Krieg noch eine wichtige Rolle spielen sollte. Die Neptun wurde für den Export entwickelt, was die geringe Reichweite erklärt, welche unterhalb von internationalen Waffenexportbeschränkungen liegt68.
Im September 2021 sollen der ukrainischen Armee 600 bis 800 Neptun-Systeme zur Verfügung gestanden haben69. Im April 2022 wurde ein Gebäude des Neptun-Herstellers schwer von russischen Raketen getroffen, wobei aber unklar ist, wie stark davon die Produktion des Systems selbst betroffen ist.
Die im Kapitel Mehrfachraketenwerfer beschriebenen Systeme russischer beziehungsweise sowjetischer Bauart sind aufgrund der Verwendung ungelenkter Geschosse nur für maximale Distanzen von ca. 40 Kilometer und auch nur für Flächenbombardments geeignet.
Für die Bekämpfung weiter entfernter Ziele kommen dagegen leistungsstarke Raketen mit integrierter Zielsteuerung zum Einsatz. Produktionskosten, die sich im Millionenbereich pro Rakete bewegen, relativieren sich durch eine höhere Treffergenauigkeit und größere Bombenlast von mehreren hundert Kilogramm.
Die im Ukraine-Konflikt verwendeten Kurz- (150 bis 800 km Reichweite) und Mittelstreckenraketen (800 bis 5.500 km Reichweite) sind ihrer vorgesehenen Aufgabenstellung entsprechend konstruiert, entweder zur Bekämpfung von Schiffen oder von Bodenzielen. Auf die Luftabwehrraketen gehen wir später ein.
Von der russischen Seite werden eingesetzt70:

Russische Iskander-M mit 9M723K5-Rakete. Foto: Vitaly V. Kuzmin (CC BY-SA 4.0)74
Schon die ersten Kriegswochen waren die für die ukrainische Armee äußerst bitter, denn gegen die weitreichenden Raketen und Marschflugkörper des Gegners kann sie kaum etwas ausrichten. Die Bevölkerung weit hinter der Front leidet darunter, dass immer wieder Raketen in Wohngebiete einschlagen und dabei Menschen töten und verstümmeln. Das dürfte sich bis Kriegsende nicht ändern, auch wenn ab und zu von erfolgreichen Abschüssen der ukrainischen Luftabwehr berichtet wird.
Zwar hat die Ukraine ebenfalls weitreichende Raketen im Arsenal, nur scheint deren Anzahl gering zu sein, weshalb man sich seit den ersten Kriegswochen auf einzelne Schläge gegen strategisch wichtige Ziele konzentriert:
Beide Raketentypen wurden noch zu Sowjetzeiten entwickelt, aber von Russland offiziell schon vor Jahren durch modernere Systeme ersetzt, während die Ukraine weiter darauf angewiesen ist.
Großen Einfluss auf das Kriegsgeschehen haben die von den USA gelieferten HIMARS (High Mobility Artillery Rocket System). HIMARS77 ist ein leichtes Artilleriesystem, das selbstgelenkte Raketen bis 500 km Reichweite abfeuern kann. Die USA lieferten allerdings zunächst an die Ukraine -- wohl aus Sicherheitspolitischen Erwägungen -- nur Raketen mit 84 Kilometer Reichweite. Außerdem musste die ukrainische Regierung versprechen, keine Angriffe in Russland selbst durchzuführen78. Die verschossenen M30- oder M31-Raketen sind mit einem Stückpreis von 150.000 US-Dollar übrigens recht teuer.
In einem Artikel des Forbes-Magazins vom 24. Juni 2022 heißt es79, dass das Pentagon zunächst nur vier HIMARS lieferte, um Erfahrungen über deren Einsatz zu sammeln. Wenig später verkündete die US-Regierung, dass weitere vier HIMARS in die Ukraine gehen. Am 8. Juli 2022 kündigte die US-Regierung die Lieferung weiterer HIMARS an, was deren Zahl in der Ukraine auf 12 erhöht80.
Die HIMARS sind ein sehr durchdachtes System, auch was das Nachladen betrifft. Nach dem Abfeuern fährt der HIMARS-LKW zu einem vorbestimmten Ort, wo der Fahrer über den integrierten Kran den leeren Raketenbehälter ablädt und einen gefüllten aufnimmt. Ein Ladefahrzeug oder manuelles Nachladen wie bei anderen Systemen ist nicht nötig.

Start einer Rakete mit dem HIMARS81. Die mitgeführten Abschussbehälter fassen sechs Raketen des Typs M30 (ungelenkt) oder M31 (gelenkt). Foto: U.S. Army, Public Domain.
Vermutlich Mitte Juni 2022 kamen die HIMARS erstmals zum Einsatz82.
Erfahrene Beobachter des Kriegsgeschehens konnten anhand von Fotos und Videos der ersten Treffer bereits Schlüsse über die Strategie ziehen83 84: So wurden vermutlich als erstes Munitionsdepots hinter den russischen Linien zerstört. Diese waren zwar durch Luftabwehrraketenstellungen geschützt, aber ein koordinierter Angriff mit mehreren Totschka- und M31-Raketen (vom HIMARS) könnte diese überwunden haben. Nur eine Spekulation ist auch, dass vielleicht die US-Armee selbst die Angriffsplanung unterstützt hat. Am 27. Juni waren bereits 16 russische Munitionsdepots zerstört85 86.
Vadym Sibitsky, der stellvertretende Leiter des ukrainischen militärischen Nachrichtendienstes, hat Anfang August 2022 zugegeben, dass die Zusammenarbeit mit den USA beim HIMARS-Einsatz sehr eng ist. Die USA hätten ein Vetorecht bei der Auswahl der Ziele und liefern Satellitenbilder und Echtzeitinformationen87.

Der ukrainische Verteidigungsminster schrieb am 23. Juni 2022 zu einem Foto des Systems: »Die HIMARS sind in der Ukraine angekommen. Vielen Dank an meinen Kollegen und Freund Secretary of Defence Lloyd J. Austin III für diese mächtigen Werkzeuge! Der Sommer wird heiß für russische Besatzer. Und der Letzte für einige von ihnen.«
Dass die Ukrainer mit HIMARS sehr zufrieden sind, dürfte klar sein. Auch von der gegnerischen Seite gibt es inzwischen anerkennende Kommentare in den sozialen Medien:
In einem sogenannten Telegram-Nachrichtenkanal der Wagner-Gruppe (von Russland angeheuerte Söldner) heißt es88:
»Also, schaut her, liebe Leute. Ukrainische Raketenwerfer und Artillerie haben bereits mehrmals unsere Entscheidungszentren Entscheidungszentren getroffen. Mit Erfolg. Die Zentren sind klein, aber wichtig. Ich schreibe hier nicht, wo, wann, wie viel und von wem, um keine militärischen Geheimnisse zu verraten. [...]
Meine Frage ist einfach: Wann hat dieser Schwachsinn ein Ende? Kann man dem [eigenen] militärisch-industriellen Komplex Feuer unter dem Hintern machen damit wir endlich präventive \"Dingsda\" haben?! [...]«
Die Wagner-Gruppe nutzt den Kanal normalerweise für Prahlereien. Deshalb ist dieser Kommentar für Beobachter eine wichtiger Hinweis, dass sich die Stimmung gedreht hat.
Auch der russische Oberst und Blogger Igor Girkin89, der selbst 2014 eine führende Rolle im Donbass-Krieg inne hatte, schrieb am 10. Juli90:
»Der Feind setzt seine starken Raketenangriffe im Donbas fort.
Die russische Luftabwehr, die bisher den Angriffen mit "Tochka-U" und "Uragan" relativ gut gewachsen war, hat sich gegen die massiven Einschläge von HIMARS-Raketen wohl als weitgehend unwirksam erwiesen. Heute brennt und explodiert wieder einmal Shakhtarsk. Schlimmer als beim letzten Mal.
In den letzten 5-7 Tagen wurden mehr als 10 große Artillerie- und andere Munitionsdepots, mehrere Öldepots, etwa ein Dutzend Gefechtsstände und etwa die gleiche Anzahl von Personalstandorten in unserem nahen und tiefen Hinterland getroffen. Sowie mehrere Flugabwehr- und Artilleriestellungen. Es wurden GROSSE Verluste an Personal und Ausrüstung erlitten.
P.S. Ich schreibe dies nicht, um das ukrainische Volk über den Erfolg seiner Schläge zu informieren -- sie wissen das besser als ich. Und nicht aus "Schadenfreude" (was mir von allerlei pseudopatriotischem Abschaum vorgeworfen wurde). Aber um noch einmal eine einzige Frage zu stellen:
WANN WIRD DIE RUSSISCHE FÖRDERATION IHRE VOLLE KAMPFKRAFT ENTFALTEN? Das heißt, wann werden sie beginnen, vernichtende Schläge gegen das Transportsystem der so genannten "Ukraine" zu führen, über das all diese "Chimeras", "777" und "Caesars" (und die Munition für sie) sicher und ungehindert in das Gebiet der Kampfhandlungen geliefert werden?«
Der Russe Roman Saponkov wurde nach eigenen Angaben Zeuge eines HIMARS-Schlags. Er schreibt in seinem Telegram-Kanal91:
»Zufälligerweise beobachtete ich gestern einen HIMARS-Schlag auf Tschernobajewka, Cherson, praktisch in voller Sichtweite. Ich bin schon oft unter Beschuss geraten, aber es fiel mir auf, dass das ganze Paket, 5 oder 6 Raketen, praktisch den Punkt traf. Normalerweise sind MLRS (Raketen) flach [anfliegend], und bei maximaler Reichweite fächern sie sich auf. Dies macht auf jeden Fall Eindruck, das bestreite ich nicht.«
Dann vergleicht der Schreiber den HIMARS-Angriff mit dem Beschuss durch einen BM-27 Uragan-Mehrfachraketenwerfer, den er am gleichen Tag erlebte. Dessen Geschosse verteilten sich über ein großes Gebiet, wobei einige beim Aufschlag nicht explodierten.
»Ich sehe eine ungesunde Panik in den Netzwerken nach den ersten Einsätzen [der HIMARS]. Es ist klar, dass dies erst der Anfang ist. Sie werden Cherson und andere Grenzstädte angreifen. Belgorod im Besonderen. Sie werden alle Kontrollpunkte und militärischen Einrichtungen beschießen, über die in den letzten 4 Monaten Daten gesammelt wurden. Aber ich bin mir sicher, dass es Gegenmaßnahmen geben wird, zum Beispiel den Dauereinsatz von AWACS-Flugzeugen, die hoffentlich etwas entdecken können.«
Die vom Schreiber geäußerte Hoffnung, dass sich ein Gegenmittel finden lasse, dürfte allerdings vergeblich sein, denn die von HIMARS abgefeuerten Raketen haben eine Geschwindigkeit von Mach 2,5 (ca. 3000 km/h). Bei einer maximalen Flugzeit von 2 Minuten ist eine Abwehr praktisch nicht möglich, zumal ja meistens mehrere Raketen auf das gleiche Ziel abgeschossen werden. Eine Radarortung durch die Russen für die Anwendung von Gegenfeuer wie sie bei Haubitzen oder Mehrfachraketenwerfern üblich ist, kann man ebenfalls ausschließen, denn die von HIMARS-Systemen abgefeuerten Raketen fliegen nicht in einem Bogen, sondern verschleiern durch gezielte Flugbahnänderungen ihren Abschussort.
Bis Ende Juli 2022 war es den Russen -- trotz deren anderslautenden Propagandameldungen -- noch nicht gelungen, auch nur ein HIMARS zu zerstören.
Am 20. Juli 2022 gab der US-Verteidigungsminister bekannt, dass sich 12 HIMARS in der Ukraine befänden und die Anzahl in naher Zukunft auf 16 aufgestockt werde92. Der Ex-US-General Mark Hertling hat nachgerechnet93, dass die Ukraine dann jeden Monat ca. 5.800 Raketen verschießen könnte, aber der Hersteller derzeit nur 9.000 Raketen im Jahr produziert. Es mache also keinen Sinn, dutzende HIMARS an die Ukraine zu liefern, weil nicht genügend »Verbrauchsmaterial« zur Verfügung steht.
Ende September wurde die geplante Aufstockung auf 34 HIMARS in der Ukraine bekannt94.
Die zunächst gelieferten Raketen für das HIMARS hatten nur eine Reichweite von 84 Kilometer. Beobachter95 gehen allerdings aus, dass inzwischen (Stand: Oktober 2022) auch Raketen des Typs ATCAMS (Army TACtical Missile System)96 mit bis zu 300 Kilometer Reichweite in der Ukraine zum Einsatz kommen. Beispielsweise könnte die Explosion auf der Krim-Brücke darauf zurückzuführen sein.
Das von Großbritannien gelieferte M270-System feuert die gleichen Raketen wie das auf Lastwagen montierte HIMARS ab, ist aber auf einem Kettengestell montiert und damit im Gelände beweglicher. Außerdem nimmt das Abschussgestell des M270 mit 12 Raketen die doppelte Menge des HIMARS auf. Es befanden sich im Oktober 2022 mindestens 12 M270 in der Ukraine97.
Vermutlich ab Anfang August 2022 lieferten die USA AGM-88 HARM (»High-Speed-Anti-Radiation-Missile«) an die Ukraine. Dies kann als großer Vertrauensbeweis der amerikanischen Regierung gegenüber den ukrainischen Streitkräften gelten, denn die Technologie hinter der Rakete, die der Bekämpfung von bodengestützten Radaranlagen dient, ist ein gut gehütetes Geheimnis.

AGM-88 HARM, montiert an einem US-Kampfflugzeug (F4 Phantom II Wild Weasel). Foto: US Armee98
Den Russen dürfte der »Radarkiller« noch einige Probleme bereiten, denn die HARM hat eine Reichweite von 150 Kilometer, sodass auch Radaranlagen weit hinter den Linien gefährdet sind. Ohne engmaschige Radarunterstützung ist aber die Identifikation und Bekämpfung von ukrainischen Kampfjets, Hubschraubern, Drohnen oder Marschflugkörpern praktisch unmöglich.
Für den HARM-Einsatz musste erst ein Kompatibilitätsproblem gelöst werden, denn ukrainischen Kampfjets fehlt eine Elektronik, mit der die Raketen die Zieldaten vom Radar des Flugzeugbordcomputers erhalten. Spekuliert wird daher, dass die Raketen bereits am Boden passend »programmiert« werden und die Kampfflugzeuge nur als Abschussplattform dienen99. Dazu passen auch die am Einschlagort gefundenen Reste, die zeigen, dass es sich um HARM AGM-88D-Raketen mit GPS handelt -- diese haben den Vorzug, dass sie auch abgeschaltete Radareinrichtungen treffen. Am 19. August wurden diese Vermutungen offiziell bestätigt:
»Darüber hinaus gab ein hochrangiger US-Verteidigungsbeamter heute [...] bekannt, dass die Ukrainer diese Raketen mit amerikanischer Unterstützung in ihre MiG-Flugzeuge integriert haben. Die einzigen MiGs, die derzeit in der Ukraine im Einsatz sind, sind die MiG-29 Fulcrum-Kampfjets.«100
10. Teil: Lesen Sie hier weiter
https://de.wikipedia.org/wiki/Ukroboronprom
https://ukraine-nachrichten.de/ukrainische-waffen-was-ukraine-dem-waffenmarkt-verkauft-kauft_5093
https://kyivindependent.com/uncategorized/uk-intelligence-more-than-half-of-ukraines-tank-fleet-consists-of-captured-russian-vehicles
https://de.wikipedia.org/wiki/T-72#Nutzerstaaten
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https://twitter.com/EHunterChristie/status/1579961997697122308
https://twitter.com/Caucasuswar/status/1519450716078759938
https://www.businessinsider.com/russia-has-unleashed-its-cruise-missile-arsenal-on-ukraine-2022-3?op=1 ↩
https://interestingengineering.com/russia-kalibr-weapon-ukraine ↩
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https://texty.org.ua/articles/104390/gendyrektor-kb-luch-oleh-korostelov-vijskovi-pyshut-sho-yim-potribno-2000-raket-a-my-yim-zabezpechuyemo-tilky-600-abo-800/?src=main
https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Russo-Ukrainian_conflict_military_equipment#Missiles
https://en.wikipedia.org/wiki/9K720_Iskander#Iskander-M ↩
https://en.wikipedia.org/wiki/Kh-47M2_Kinzhal ↩
https://en.wikipedia.org/wiki/Kramatorsk_railway_station_attack#Assessment_of_the_Russian_response ↩
http://www.vitalykuzmin.net/Military/ARMY-2016-Demonstration/
https://en.wikipedia.org/wiki/9K52_Luna-M#Description ↩
https://de.wikipedia.org/wiki/9K79_Totschka ↩
https://de.wikipedia.org/wiki/HIMARS
https://www.canadianpost.news/ukraine-promised-not-to-use-us-missiles-against-russian-territory/
https://www.forbes.com/sites/davidaxe/2022/06/24/the-ukrainians-american-made-rockets-blast-the-russians-for-the-first-time/?sh=313bc1fab295
https://www.reuters.com/world/us-send-400-million-weapons-ukraine-including-more-himars-2022-07-08/
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:HIMARS_-_missile_launched.jpg
https://kyivindependent.com/national/1234
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https://twitter.com/GJStathakis/status/1541523245245124609
https://mobile.twitter.com/SamRamani2/status/1554585146959036420
https://twitter.com/JayinKyiv/status/1546234978001833984
https://de.wikipedia.org/wiki/Igor_Wsewolodowitsch_Girkin
https://t.me/strelkovii/2908
https://t.me/Rsaponkov/3293 (Übersetzung durch den Autor)
https://mil.in.ua/en/news/ukraine-will-have-16-himars-mlrs-in-the-near-future/
https://twitter.com/MarkHertling/status/1551668611244347392
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https://www.thedrive.com/the-war-zone/ukrainian-mig-29s-are-firing-agm-88-anti-radiation-missiles