Dies ist ein Auszug aus dem Buch Politikversagen - wie Politiker unsere Gesellschaft ruinieren

Kernenergie

Autor: Rainer Gievers - Publiziert am 17. Oktober 2024

Je nach politischer Ausrichtung wird in Diskussionen entweder der eher negativ konno­tierte Begriff »Atomkraftwerk« oder das neutralere »Kernkraftwerk« verwendet. In die­sem Buch nutzen wir beide Begriffe wertungsfrei, wobei »Kernkraftwerk« der offiziell normierte Begriff ist1.

Kernkraftwerke nutzen die bei der Kernspaltung entstehende Wärme für die Erzeugung von Wasserdampf, der wiederum Dampfturbinen für die Stromerzeugung antreibt. Pro­blematisch am Betrieb ist, dass die Kernspaltung nur streng kontrolliert ablaufen darf, weshalb Kernkraftwerke wegen der nötigen Sicherheitsmaßnahmen im Bau sehr teuer sind.

Diverse Mechanismen sollen für einen sicheren Betrieb sorgen, aber es kommt trotzdem immer wieder zu Störfällen, die dann weltweit zu öffentlichen Diskussionen über die Re­aktorsicherheit sorgen. Dazu zählen besonders Tschernobyl (1986)2 in der heutigen Ukraine und Fukushima (2011) in Japan.

Seit den 1970er Jahren wurde die Kernkraft in Deutschland immer kritischer gesehen -- vielleicht erinnern Sie sich noch an die Berichte über die Großdemonstrationen gegen das Atomzwischenlager in Brokdorf in den Jahren 1981 und 19863. Aufgrund der gekippten Stimmung in der Bevölkerung ging das letzte neugebaute Kernkraftwerk 1989 ans Netz. Weitere Bauprojekte wurden eingestellt. Danach verlagerte sich die Diskussion hierzu­lande auf die Wiederaufbereitung, sowie Zwischen- und Endlagerung der verbrauchten Brennstoffe.

2002 wurde von einer rot-grünen Bundesregierung das Aus für die Kernkraft4 be­schlossen, 2011 gab es unter der CDU/CSU-FDP-Regierung eine Laufzeitverlängerung für einige Kernkraftwerke. Die letzten drei Standorte wurden 2023 vom Netz ge­nommen.

Nach dem Ausstieg ist das »Bundesamt für Sicherheit in der nuklearen Entsorgung« für den Abbau der Kernkraftwerke zuständig. Die Website der Behörde listet übrigens auch alle Störfälle der vergangenen Jahrzehnte auf5.

Es gibt unserer Ansicht nach kaum ein Thema, dass in der Bundesrepublik so umstritten war und ist wie die Kernkraft. Die 1980 gegründete Partei »Die Grünen«, welche seit Jahrzehnten eine entscheidende Rolle in der Landes- und Bundespolitik spielt, verdankt ihren Aufstieg teilweise der Anti-Atomkraft-Bewegung6.

Wie widersinnig die deutsche Politik zur Zeit agiert, zeigt die geplante Laufzeitverlänge­rung7 eines Kernreaktors in Schweden von 60 auf 80 Jahre. Miteigentümer ist das dem Bund gehörende Unternehmen Uniper, das zudem an zwei weiteren Kernkraftwerken in Schweden beteiligt ist8. Wo sind die Stilllegungspläne für diese »gefährlichen« Reakto­ren, Herr Habeck?

Übrigens hat sich im Laufe der Zeit der Wind zugunsten der Kernenergie gedreht. Bei einer Umfrage der ARD sprach sich im April 2023 -- kurz vor der Stilllegung der letzten drei Atommeiler -- die Mehrheit für den Weiterbetrieb9 aus. Eine repräsentative Forsa-Umfrage im April 2024 ergab, dass 58 Prozent der Deutschen die Atomkraft befürwor­ten, 39 Prozent dagegen sind und 3 Prozent keine Meinung dazu haben10.


Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Versorgung informiert auf seinen Webseiten über die Gründe und den Zeitablauf des Atomausstiegs11.

Lohnt sich Kernenergie?

Kosten- und Nutzen, sowie Gefahren der Kernkraft sind teilweise sogar innerhalb Partei­grenzen umstritten. Veröffentlichungen von Landes- oder Bundesbehörden, sowie For­schungseinrichtungen sollte man aufgrund politischer Abhängigkeiten immer hinterfra­gend lesen.

Eine Wikipedia-Seite zur Kernenergie führt zahlreiche Studien auf12, die fast allesamt die Kosten und Risiken der Kerntechnik als sehr hoch einschätzen. Da jeder auf Wikipedia Artikel bearbeiten und ergänzen kann, sollten alle Angaben stets auf ihren Wahr­heitsgehalt überprüft werden. Dasselbe gilt für »unabhängige« Studien von Forschungs­instituten, die im Auftrag politischer Gruppierungen wie Greenpeace oder Parteien er­stellt werden.

Bei der Kostenbetrachtung der Kernkraft muss berücksichtigt werden, dass politische Entscheidungen in den letzten 20 Jahren erhebliche Auswirkungen hatten. Die verkürzten Laufzeiten, die finanziell gegenüber den Betreibern ausgeglichen werden mussten, sowie die durch politische Verzögerungen beeinflusste Endlagersuche führ­ten zu einem deut­lichen Anstieg der Kosten. Atomkraftgegner verweisen oft auf die gestiegenen Kosten, obwohl diese überwiegend durch politische Entscheidungen verursacht wurden...

Der ehemalige Grünen-Politiker Jürgen Tritin hat in einem Interview 2022 zugegeben:

»Uns war klar, dass wir Atomkraft nicht nur über Protest auf der Straße ver­hin­dern können. Daraufhin haben wir in den Regierungen in Niedersachsen und spä­ter in Hessen versucht, Atomkraftwerke unrentabel zu machen, indem man die Sicherheitsanforderungen hochschraubt.«13

Somit trieb der Staat mit immer neuen Auflagen die Kraftwerksbetreiber in die Unprofi­tabilität.

2002 -- also in zeitlicher Nähe zum Ausstiegsbeschluss -- stellte der CDU/CSU-Abgeord­nete Dr. Paul Laufs14 die folgende Anfrage an die rot-grüne Bundesregierung:

»Wie viele Kilowattstunden (kWh) elektrischen Stroms sind bisher in Deutschland in Leichtwasserreaktoren erzeugt und in öffentliche Netze einge­speist worden, und wie hoch waren die durchschnittlichen direkten und indi­rekten Subventionen je kWh aus öffentlichen Haushalten?«

Antwort eines Parlamentarischen Staatssekretärs:

»In Deutschland sind bisher in Leichtwasserreaktoren ca. 3225 Mrd. kWh er­zeugt und in öffentliche Netze eingespeist worden. Subventionen für die kommerzielle Stromerzeugung aus Kernenergie gab es nicht. Allerdings wurde die Forschung auf dem Gebiet der Kernenergie durch öffentliche Mittel unterstützt.«

Das Kemfert-Gutachten

Claudia Kemfert ist eine Schlüsselfigur im Einsatz für die Energiewende, die aufgrund ihrer Positionen hierzu wiederholt heftigster Kritik ausgesetzt war15 16. Kemfert ist Leite­rin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschafts­forschung (DIW) sowie Professorin an der Leuphana Universität Lüneburg17.

Frau Kemfert hat aufgrund ihrer zahlreichen Interviews, wissenschaftlichen Studien18 und des seit 2021 beim MDR angesiedelten Klima-Podcasts19 20 größere Bekanntheit er­reicht.

Exemplarisch für ein Gefälligkeitsgutachten ist die im März 2023 von Claudia Kemfert zusammen mit weiteren Forschern veröffentlichte Studie »Ökonomische Aspekte der Atomkraft«21. Diese wurde von der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen in Auf­trag ge­geben. Zu diesem Zeitpunkt waren nur noch die Kernreaktoren Isar 2, Emsland A und Neckarwestheim 2 aktiv, um deren Weiterbetrieb sehr heftig gerungen wurde. Die »Grü­nen« benötigten also dringend Argumente, welche ihnen das Gutachten lieferte.

Im letzten Absatz des Gutachtens heißt es im Fazit:

Eine Gesamtbewertung des Systems Atomkraft ergibt heute dasselbe Ergeb­nis wie auch in den letzten Jahrzehnten: Selbst bei Vernachlässigung exter­ner Kostenfakto­ren wie Umwelteinflüsse, Sicherheits- und Proliferationsrisi­ken ist der Bau und der Betrieb von Kernkraftwerken nicht ökonomisch, und es gab und gibt kostengünsti­gere Alternativen.

Der Physiker Ulrich Waas, Ex-Mitglied der Reaktorsicherheitskommission und jahr­zehntelang Mitarbeiter eines Kraftwerkherstellers, widerspricht in der Neuen Zürcher Zeitung22:

Die Erzeugungskosten liegen bei den deutschen Kraftwerken bei 2 bis 3 Cent pro Kilowattstunde«, sagt er. »Darin sind alle Kosten vom Personal über die Brenn­stoffkosten bis hin zu den Entsorgungskosten enthalten. Bei Strom aus Wind- oder Solaranlagen liegen die garantierten Einspeisevergütungen hin­gegen zwischen 8 und 10 Cent, teilweise sogar noch höher.

Während Kernkraftwerke im Vergleich zur Windparks gleicher Nennleistung beim Bau höhere Kosten verursachen, hätten sie aber eine eine höhere Verfügbarkeit und könnten 60 bis 80 Jahre betrieben werden. Windräder und Solaranlagen seien dagegen nur auf 20 bis 25 Jahre Betriebszeit angelegt.

Ulrich Waas wundert sich über die in der Studie aufgeführten Beispiele für Kostenüber­schreitungen beim Kraftwerksbau -- der erwähnte finnische Reaktor wurde beispielsweise 10 Jahre später als geplant fertig und kostete 11 statt 3 Milliarden Euro. Die Gründe la­gen allerdings im schlechten Projektmanagement.

Bei den deutschen Reaktoren lief es damals aber anders:

Hier gelang es nicht nur den Zeitplan bei der Konstruktion einzuhalten, es gelang sogar, den ursprünglichen Kostenrahmen mit damals 3 Milliarden D-Mark gering­fügig zu unterschreiten. Die Betreiber konnten deshalb außeror­dentlich viel Geld verdienen.

Darüber allerdings ist nichts in Kemferts Studie zu lesen. Ulrich Waas zweifelt daher an der wissenschaftlichen Neutralität der Studie:

Für die Studie wurden selektiv weltweit ungünstige Beispiele herausgepickt und ohne irgendeine Begründung nahelegt, dass sie auf die Kernkraft in Deutschland übertragbar seien.« Von einer wissenschaftlichen Studie möchte Waas deshalb gar nicht sprechen, sondern nennt Kemferts Papier ein »Mus­terbeispiel aus der Agit­prop-Küche«.

Untersuchungsausschuss zur Ausstiegsentscheidung

Das Cicero-Magazin konnte im Februar 2024 erfolgreich die vom Wirtschaftsminis­terium unter Verschluss gehaltenen Akten zum Atomausstieg »freiklagen«23. Darin doku­mentierte Vorgänge haben die CDU-Opposition zur Beantragung eines parlamentari­schen Untersuchungsausschusses veranlasst. Ab 2025 soll sich dieser mit der Frage be­schäftigen, ob und wie Grünen-Politiker die deutsche Öffentlichkeit getäuscht haben könnten, um den Atomausstieg durchzuziehen. Hintergrund sind Vorwürfe, dass nicht wirtschaftliche, sondern ideologische Gründe hinter der Ausstiegsentscheidung standen24.

Im Antrag zum Untersuchungsausschuss rekonstruiert die CDU-Opposition den zeitli­chen Ablauf des Beschlusses zum Ausstieg25:

Der russische Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 und die Folgen dieses Kriegs führten zu einer Energiekrise.

[...] Auch infolge der hohen Energiepreise, die ihren Höhepunkt im Spät­sommer 2022 erreichten, erlebte Deutschland mit über sieben Prozent die höchste Inflation seit 40 Jahren. Die Bundesregierung erkannte, dass „der völkerrechtswidrige An­griff auf die Ukraine die angespannte Lage auf den Energiemärkten verschärft hat".

Obwohl Fachleute des Bundesumweltministeriums am 3. März 2022 aufzeigten, unter welchen Umständen ein Weiterbetrieb möglich wäre, kam der Leiter des Ministeriums zum Ergebnis, dass dies sicherheitstechnisch über den Dezember 2022 nicht vertretbar wäre. Am 7. März 2022 veröffentlichten das Umwelt- und Wirtschaftsministerium einen gemeinsamen »Prüfvermerk«, in denen der Weiterbetrieb abgelehnt wurde, unter ande­rem aus Gründen der nuklearen Sicherheit.

Im September 2022 sprachen sich Experten, unter anderem vom Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und vom ifo-Institut26, für den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke zur Verringerung der Strompreise aus. Bundeskanzler Scholz setzte schließlich den Weiterbetrieb bis April 2023 durch.

Im Antrag zum Untersuchungsausschuss heißt es:

Aus der bisherigen Aktenlage ist nicht erkennbar, dass zu den vorgenannten Fra­gen ein strukturierter Erörterungs- und Meinungsbildungsprozess mit den Ländern, der bei der im föderalen Gefüge eng verzahnten Wahrnehmung der Atomaufsicht unabdingbar ist, stattfand. Es ist ferner nicht klar, zu welcher Zeit, in welchem Sta­dium und in welchem Umfang die Reaktorsicherheits­kommission (RSK) und die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) eingebunden waren. Ein Austausch mit anderen EU-Mitgliedstaaten und Nachbarstaaten sowie Institu­tionen der EU ist offensichtlich ebenfalls nicht erfolgt.

Brisant ist die Mail einer Referentin vom 1. März 202227, mit der Formulierung »Kern unseres Vermerks muss eine energiewirtschaftliche (...) Bewertung des Weiterlaufens der AKW sein«. Patrick (Graichen) bitte »insbesondere darum, darzustellen, wie wir auch ohne die drei in Rede stehenden Atomkraftwerke die Versorgungssicherheit sichern können«. Das »darzustellen« kann auch als Vorgabe interpretiert werden. Allerdings ist unklar, ob Graichens Dienstherr und engster Vertrauter Habeck von der Mail wusste.

Risiken der Kernkraft und der alternativen Energien

Es steht außer Frage, dass im Falle eines schweren Unfalls in einem Kernkraftwerk, einem sogenannten Super-GAU, ganze Regionen betroffen wären. In Deutschland gab es in den letzten Jahrzehnten dutzende Vorfälle die eine eigene Wikipedia-Seite auflistet28. Dies soll keine Beschwichtigung sein, aber abgesehen davon, dass in der Bundesrepublik bislang kein Störfall die Bevölkerung ernsthaft gefährdet hat, müssen auch weitere Fak­toren beim Thema »Sicherheit« berücksichtigt werden, die nur indirekt mit der Kernkraft zusammenhängen. Darauf gehen wir als Nächstes ein.

Kernkraft ist eine sehr zuverlässige Energiequelle, wenn man sie mit der wetterabhängi­gen Wind- und Solarenergie vergleicht. Auch die Sicherheit der abgeschotteten Steue­rungssysteme ist sehr hoch, im Gegensatz zu den »alternativen« Energien, die auf eine Internetanbindung setzen.

So fielen mit dem Beginn des russischen Angriffskriegs 5.800 Windkraftanlagen des Herstellers Enercon aus, weil russische Hacker die verbauten Satelliten-Modems manipu­liert hatten29. Zwar liefen die Windkraftanlagen weiterhin und erzeugen Strom, jedoch waren sie aus der Ferne nicht mehr für Überwachung und Steuerung erreichbar.

Auf die lausige Sicherheit der am Internet angebundenen Solaranlagen machen seit Jah­ren Sicherheitsforscher aufmerksam30 31. Der niederländische Unternehmer Bert Hubert hat sich mit dem Thema intensiv befasst und schreibt im August 2024 zusammenfassend:

Die meisten Solarzellen von privaten und gewerblichen Nutzern werden zen­tral von einigen wenigen Unternehmen verwaltet, die größtenteils aus Län­dern außer­halb Europas stammen. Allein in den Niederlanden erzeugen diese Solaranlagen eine Stromleistung, die mindestens 25 mittelgroßen Kernkraft­werken entspricht. In Europa gibt es kaum Regelungen oder Gesetze für diese zentralen Betreiber. Es ist, als würden wir so tun, als ob diese Unternehmen nur die Art von Regulierung ver­dienten, die wir beispielsweise auf einen On­line-Geburtstagskalender anwenden würden.

[...] Wir sind heute verwundbarer denn je, da in einem Land wie den Nieder­landen derzeit 15 GW Strom von weit entfernten Orten aus gesteuert wird, und wir wissen nicht einmal genau, von wem. Diese Akteure unterliegen so gut wie keinen Gesetzen oder Vorschriften. Übrigens gilt das Gleiche auch für Wärmepumpen, Heimbatterien und Ladestationen für Elektrofahrzeuge.

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Dr. Rainer Moormann32, Sicherheitsexperte für Nuklearanlagen, reagierte im September 2024 auf X auf einen Kommentar, der Atomstrom als gefährlicher im Vergleich zu Öko­strom einstufte33:

Verstehe ich nicht. Letztlich kommt es auf das Risiko an. Und der Schaden ist bei einem langandauernden Blackout sehr viel größer als bei einem Super-GAU. Die Wahrscheinlichkeit eines Blackout wird durch unzuverlässige EE [erneuerbare Energien] natürlich größer, sie benötigen deshalb ständige Hilfe durch Fossil. Also viel mehr Quellen für Fehler.

Dass großflächige Kontamination ein Spezifikum von Supergau ist, stimmt. Aber siehe Erfahrung mit Fukushima und Tschernobyl, nach relativ kurzer Zeit großen­teils vorbei. Natürlich wird das in die Schadensbilanz einbezogen.

Nach Einschätzung von Dr. Moormann wird ein Blackout nach drei Tagen katastrophal, da Mangel und eine größere Zahl von Toten auftreten. Ab einer Woche käme es zur Ka­tastrophe und Verteilungskämpfe, Plünderungen usw. wären dann kaum zu vermeiden.

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Das Nachrichtenmagazin Forbes schrieb im April 202334:

Die Entscheidung Deutschlands, aus der Kernenergie auszusteigen, scheint im Widerspruch zu der Verpflichtung des Landes zu stehen, die Kohlenstoffe­missionen zu reduzieren. Studien haben gezeigt, dass der Ausstieg aus der Kernenergie zu einer stärkeren Abhängigkeit von der Kohle führen kann, die eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellt. Partikelemissionen aus der Kohle werden mit Ge­sundheitsproblemen wie Herzerkrankungen, Lun­genkrebs und Asthma in Verbin­dung gebracht. Eine Studie schätzt, dass der Atomausstieg in Deutschland zu schätzungsweise 800 zusätzlichen Todes­fällen pro Jahr aufgrund von Luftver­schmutzung geführt hat.

Obwohl der Schritt schon seit einiger Zeit erwartet wurde, ist der deutsche Aus­stieg aus der Kernenergie umso erstaunlicher, als er zu einer Zeit erfolgt, in der Europa mit hohen Energiepreisen zu kämpfen hat, die durch den Krieg Russlands in der Ukraine verursacht werden. Einige Deutsche sahen sogar einen Anstieg der Energiepreise um bis zu 45 % unmittelbar nach der Ab­schaltung der Kraftwerke.

Gefährlichkeit der Strahlung

Zum Thema »Strahlung der Atomkraft« hat der Nuklearia e. V. einen sehr lesenswerten Artikel veröffentlicht, aus dem wir hier zitieren möchten35:

Wer in der Nähe eines Kernkraftwerks wohnt, nimmt im Lauf eines Jahres et­was weniger Strahlung auf als durch das Essen einer Banane (0,1 µSv)!

Wegen der in der Kohle enthaltenen Spuren von Radon, Uran und Thorium gibt ein Kohlekraftwerk etwa dreimal mehr Strahlung ab als ein Kernkraft­werk.

µSv steht für Mikrosievert und ist eine Einheit zur Messung der Strahlendosis. Sie wird verwendet, um die Menge ionisierender Strahlung zu quantifizieren, der eine Person aus­gesetzt ist. Ein Mikrosievert entspricht einem Millionstel Sievert (1 µSv = 0,000001 Sv).

Laut Nuklearia ist eine Person, die sich einen Tag in der Tschernobyl-Sperrzone, zehn Kilometer östlich des Reaktors, aufhält, einer Strahlung von 12 µSv ausgesetzt. Im Vergleich dazu muss der Passagier bei einem Flug von Frankfurt nach New York mit 100 µSv rechnen.

Weiter geht Nuklearia auch die die Gefährlichkeit der Strahlendosen ein: In den 1950er Jahren entstand die Annahme, dass selbst kleinste Strahlendosen schädlich seien (Linear No Threshold, LNT), was heute widerlegt ist. Unser Immunsystem repariert ständig Zell­schäden, etwa 10.000 Mal pro Tag und Zelle. Dennoch basieren viele Gesetze weiterhin auf der veralteten LNT-These, was unnötige Kosten und Ängste verursacht. Studien zei­gen, dass kleine Strahlendosen nicht gefährlich sind, sondern möglicherweise das Immunsystem stärken. In Taiwan führte jahrelange Bestrah­lung durch radioaktiven Baustahl ebenfalls zu keiner erhöhten Krebsrate.

Dass kleine Dosen nicht gefährlich sind, belegen zum Beispiel die Überle­benden der Atombomben in Japan. Zwar leiden sie insgesamt unter einer leicht erhöhten Krebssterblichkeit. Doch bei Personen, die Dosen von unter 100 mSv erhielten, ist die Krebssterblichkeit vermindert36.

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Im August 2024 veröffentlichten japanischen Wissenschaftler eine sogenannte Kohorten­studie zur Gefährlichkeit von niedrigen Strahlendosen37. Die Studie lief seit 2011 in der Präfektur Fukushima. Es wurden 253.346 Personen untersucht, die zum Zeitpunkt des Unfalls in Fukushima wohnhaft waren. Dabei konnte kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Strahlenbelastung und dem Auftreten von Schilddrüsenkrebs festgestellt werden, da bei über 99,9 % der Betroffenen die Strahlenexposition unter 5 mSv lag. Fa­zit: Die Studie ergab keinen Zusammenhang zwischen geringer Strahlenbelastung und dem Auftreten von Schilddrüsenkrebs bei einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 3,7 Jahren.

Abhängigkeit vom Ausland

Unter dem Slogan »Energiewende vorantreiben« schreibt die Partei Bündnis 90/Die Grü­nen:

Wir schaffen Versorgungssicherheit mit erneuerbaren Energien. Sie sind das Fundament einer wirksamen Klimapolitik, sie machen uns unabhängig von fossi­len Autokratien, sie sind sicher und auf Dauer günstig. Das stärkt uns auch als Wirtschaftsstandort.

Versorgungssicherheit: Falsch. Der unkontrollierte Ausbau der Erneuerbaren gefährdet eine zuverlässige und günstige Stromversorgung, wie wir bereits zuvor aufgezeigt haben. Von Versorgungssicherheit kann also keine Rede sein.

Unabhängig von fossilen Autokratien: Falsch. Auch in den nächsten Jahrzehnten ist Deutschland abhängig von Lieferungen aus dem Ausland für die eigenen Gaskraft­werke38. Zwar hat Norwegen mit über 38 Prozent inzwischen Russland als größten Liefe­ranten abgelöst39, 23 Prozent stammen aber aus Drittländern. Für die EU listet der Verein Gas e. V. unter anderem die Lieferländer40 Russland, Algerien, Katar, Tunesien und Tür­kei auf -- allesamt Länder, deren Führungen ein fragwürdiges Demokratieverständnis ha­ben. Eine große Abhängigkeit von China existiert auch bei den erneuerbaren Energien: Die meisten hierzulande installierten Solarpaneele stammen aus China41, das auch immer erfolgreicher Teile für Windkraftanlagen exportiert42.

Auf Dauer günstig: Falsch. Durch den stark subventionierten Ausbau von Wind und Solar und der garantierten Einspeisevergütung entstehen dem Steuerzahlen Kosten in Milliardenhöhe.

Interessant ist in dem Zusammenhang auch, dass die grüne Energiewende beliebig viel Kosten darf, man bei der klimaschonenden Kernkraft aber ökonomisch argu­mentiert!

Zwischenlagerung

Nachdem die Bundesregierung im Atomgesetz den Transport von Brennstäben zu Wie­deraufbereitungsanlagen ab 2005 verboten hatte, mussten vor der geplanten Errichtung eines Endlagers zunächst sogenannte Standortzwischenlager eingerichtet werden43. Der­zeit sind 16 Zwischenlager vorhanden, davon zwei außerhalb von Kernkraftwerken.

Bereits 2003 wurde ein Zwischenlager beim Kernkraftwerk Brunsbüttel von den Behör­den genehmigt44. Dagegen ging ein Anwohner vor, der nach 10 Jahren Recht bekam. Das Oberverwaltungsgericht Schleswig bemängelte eine fehlerhafte Sicherheitsbewertung und hob darauf hin die Genehmigung auf45. Durch eine »atomrechtliche Anordnung« von Schleswig-Holsteins Energiewendeminister wird aktuell die Lagerung des Kernbrenn­stoffs geduldet46.

Dr. Rainer Moormann, ein Sicherheitsexperte für Nuklearanlagen47 bezeichnet die Ur­teilsbegründung als gewaltige Ohrfeige für die Genehmigungsbehörde und ihren damali­gen Präsidenten. Moormann vermutet, dass der Genehmigungsfehler auf alle Standorte zutrifft. Dies könnte bei einer im Jahr 2045 erforderlichen Genehmigungsverlängerung der Zwischenlager zu gravierenden Problemen führen. Schlimmstenfalls wären Neubau­ten nötig, die Milliardenkosten verursachen.

Endlagerung

Nachdem die Brennstäbe eines Kernkraftwerks »verbraucht« sind, müssen sie einer End­lagerung zugeführt werden. Zum Transport füllt man die Brennstäbe in sogenannte Cas­tor-Behälter48, die mehr als 100 Tonnen wiegen.

An den Castor-Sicherheitsanforderungen gab es immer wieder Kritik, beispielsweise an der Simulation mit kleineren Modellen oder der rechnerischen Simulation von Unfällen. Zudem unterzieht man einmal genehmigte Behälter auch nach Änderungen der Sicher­heitsvorschriften keiner erneuten Untersuchung. Klagen der Atomkraftgegner wegen der Sicherheit sind vor Gerichten aber immer gescheitert. Die Richter schlossen sich den Einschätzungen der Sachverständigen der Genehmigungsbehörden an und bestätigten sowohl die rechtliche Zulässigkeit der Zwischenlagerung als auch die Verwendung der eingesetzten Behälter.


Verladung eines Castor-Behälters (CC BY-SA 3.0)49.

Schon vor dem Ende der Kernkraftwerke in Deutschland wurden die zum überwiegenden Teil per Bahn erfolgten Transporte zu und von den Wiederaufbereitungsanlagen in Deutschland, Großbritannien und Frankreich eingestellt. Die Zwischenlagerung der Cas­torbehälter erfolgt nun in Gorleben, Arhaus und vor Ort bei den abschalteten Kraftwer­ken.

Die Suche nach einem unterirdischen Endlager ist extrem aufwendig50. So muss ausge­schlossen sein, dass die Lagerstätte irgendwann einmal durch Erdbeben, Vulkanismus, oder Bergbaufolgen beschädigt werden könnte.

In einem Zwischenbericht hat die zuständige »Bundesgesellschaft für Endlagersuche« (BGE) 90 Teilgebiete ausgewiesen. Zunächst wird das Unternehmen diese Teilgebiete weiter eingrenzen und Regionen für vertiefte Untersuchungen vorschlagen. Im nächsten Schritt wird die Sicherheit eines möglichen Endlagers in den jeweiligen Teilgebieten zu bewertet.

Eine Studie51 des Öko-Instituts, das vom »Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung« (Base) in Auftrag gegeben wurde, rechnet mit einem Endlager erst 2074 -- 43 Jahre später als geplant.

Die Bundesregierung kalkuliert für die gesamte Entsorgung atomarer Abfälle bis 2100 mit etwa 170 Milliarden Euro. Jedes weitere Jahr, das für die Endlagersuche benötigt wird, dürfte diese Kosten weiter erhöhen. 24 Milliarden stammt aus Rückstellungen der Kraftwerksbetreiber, der verbleibende Betrag muss aus Steuermitteln ge­deckt werden. Weitere Probleme ergeben sich mit den Zwischenlagern, deren Genehmigungen ab 2034 nach und nach ablaufen.

Fazit: Die Verzögerungen kommen Atomkraftgegnern, die oft die hohen Kosten der Kernenergie als Argument anführen, zugute. Es besteht jedoch der Verdacht, dass grüne Politiker über die Behörden weiterhin bewusst die Kosten in die Höhe treiben. Der grüne Politiker Jürgen Tritin hat diese Strategie ja auch offen zugegeben.


In einer interaktiven Karte informiert die BGE über den Zwischenstand bei der Standortwahl des Endlagers52.

Dass die explodierenden Kosten für das deutsche Endlager politische Gründe haben, zeigt auch ein Blick nach Finnland. Dort wurde ein Endlager, das 6.000 Tonnen radio­akti­ven Müll fasst, für nur 3,5 Milliarden Euro errichtet53.

Wir stehen der Aufregung und den Protesten rund die Sicherheit der atomaren Endlage­rung kritisch gegenüber. Bei der Endlagerung extrem giftiger Chemikalien gibt es jeden­falls keinen ähnlichen Protest. Dabei wurden bereits über 2,5 Millionen Tonnen Giftmüll eingelagert!54

Während in Europa die Endlagerung vorwiegend unterirdisch in Stollen erfolgen soll55, lagert man in den USA die Brennstäbe einfach oberirdisch56. Das spart enorm an Kos­ten. Die Brennelemente werden dazu in großen Lagerbehältern versiegelt. Das zuständige Office of Nuclear Energy schreibt in seiner Broschüre »Safety of Spent Fuel Storage«57:

Die Trockenlagerung hat sich in den 30 Jahren ihres Einsatzes als sichere Techno­logie erwiesen. Seit die ersten Behälter 1986 beladen wurden, hat die Trockenlage­rung keine Strahlung freigesetzt, die die Öffentlichkeit beein­trächtigt oder die Um­welt kontaminiert hätte. Bis Januar 2017 wurden mehr als 2.400 Behälter beladen und sicher gelagert, wobei über 100.000 ver­brauchte Brennelemente einge­schlossen sind. Tests an den Brennelementen und Behälterkomponenten nach jah­relanger Lagerung bestätigen, dass die Systeme weiterhin eine sichere Lagerung gewährleisten.


»Das ist alles? So sehen über 20 Jahre verbrauchte Kernbrennstoffe aus, die sicher im ehemali­gen Kernkraftwerk Maine Yankee gelagert werden. Die aus diesem Brennstoff erzeugte Energie hat dazu beigetragen, 70 Millionen Tonnen CO2-Emissionen zu vermeiden.«58 (Bild: Office of Nuclear Energy, U.S. Department of Energy)

Die Kostenschätzung von 2015

Im Jahr 2015 veröffentlichte das Bundesumweltministerium seinen »Bericht über Kosten und Finanzierung der Entsorgung bestrahlter Brennelemente und radioaktiver Ab­fälle«59. Auf 14 Seiten listet das Ministerium die Endlagerkosten auf. Zum Endlager heißt es darin:

Auf Grundlage einer Kostenschätzung des BfS [Bundesamt für Strahlen­schutz] für das vormalige Endlagerprojekt Gorleben aus dem Jahr 1997 ha­ben die pri­vaten Betreiber die Kosten für ein Endlager für insbesondere Wär­me entwickelnde radio­aktive Abfälle in der Vergangenheit wie folgt beschrie­ben (Preisbasis 2012, ohne Kostensteigerung):

  • Investitionskosten: 3.900 Mio. €
  • Stilllegungskosten: 389 Mio. €
  • Betriebskosten: 3.369 Mio. €

Damit ergab sich eine Gesamtkostenschätzung für die Errichtung, den Be­trieb und die Stilllegung eines Endlagers für insbesondere Wärme ent­wickelnde radioaktive Ab­fälle in Höhe von ca. 7,7 Mrd. €. Abweichungen und damit verbundene Er­höhungen können sich nunmehr auf Grund des nach dem StandAG in den Blick zu nehmenden Standortauswahlverfahrens erge­ben.

Im vorherigen Kapitel haben wir über die aktuelle Kostenschätzung für die Endlagerung von etwa 170 Milliarden berichtet. 2015 wurden die Kosten dagegen nur mit 7,7 Milliarden angesetzt. Wenn wir davon ausgehen, dass das Ministerium damals eine seriöse Kalkulation vorgelegt hat, muss man sich schon fragen, warum rund 10 Jahre später von einer mehr als 20-fachen Kostensteigerung die Rede ist.

Wie läuft es in anderen Ländern?

Deutschland hat sich aus der Kernenergie verabschiedet, währenddessen intensivieren andere Länder ihr Engagement. WE Planet DACH schrieb im September 202460:

Währenddessen kündigen immer mehr unserer Nachbarländer an, ihre beste­hende Flotte von Kernkraftwerken auszuweiten oder überhaupt erstmals in die Kernkraft einzusteigen: Das Vereinigte Königreich will bis 2050 seine nukleare Kraftwerkskapazität von 6 auf 24 GW vervierfachen. Polens Kern­kraftprogramm schreitet voran, Italien plant den Wiedereinstieg, Tschechien hat gerade erst im Juli den Auftrag für die Errichtung zweier neuer Reakto­ren an ein Unternehmen aus Korea vergeben, und Finnland hat erste Verträ­ge geschlossen, um mit kleinen Kernkraftwerken (SMRs) dezentral kommu­naler Nahwärme zu erzeugen.

Besonders interessant ist die Entwicklung in den USA, wo einige große IT-Unternehmen Kapazitäten von Kernkraftwerken buchen oder dies zumindest nicht ausschließen61:

  • Ein 2019 stillgelegter Reaktor im US-Atomkraftwerk Three Mile Island wird ex­klusiv für Microsoft wieder hochgefahren62.
  • Amazon sucht Kernkraft-Ingenieure für seine Rechenzentren.
  • Apple hat Kernkraft als »saubere Energie« klassifiziert.
  • Meta63 (Betreiber von Facebook, WhatsApp und Instagram) und Datenbankkon­zern Oracle64 wollen künftig Rechenzentren neben Kernkraftwerken errichten.
  • Google zieht den Einsatz kleiner Nuklearreaktoren für den Betrieb von Rechen­zentren in Erwägung65.

Ein Grund für die Entscheidung zugunsten der Kernkraft dürfte die freiwillige Verpflich­tung sein, umweltfreundlichen Strom zu nutzen. Offensichtlich können die für KI-An­wendungen erforderlichen Rechenleistungen nicht mehr auf andere Weise gedeckt wer­den.

Im September 2024 haben sich außerdem 14 der größten Banken und Finanzinstitute der Welt verpflichtet, den weltweiten Ausbau der Kernenergie zu unterstützen66. Dabei be­rufen sie sich auf das Ergebnis der UN-Klimakonferenz »COP 28« in Dubai 202367. Dort hatten die USA, Frankreich, Großbritannien, Japan, Kanada, die Vereinigten Arabi­schen Emirate und 16 andere Staaten einen gemeinsamen Aufruf zur verstärkten Nutzung der Kernenergie veröffentlicht; die Energiegewinnung daraus müsse bis 2050 verdrei­facht werden, um bis dahin Klimaneutralität zu erreichen.

Fazit: Während unsere führenden Politiker die Kernkraft verteufeln und deren Abschal­tung in Deutschland feiern, bauen unsere Nachbarländer weitere Reaktoren auf, weil sie die Vorteile der umweltfreundlichen Energie erkannt haben.

Situation in Frankreich

Frankreich setzt bei der Energieversorgung auf die Kernkraft: Im Jahr 2023 wurden 67,3 Prozent des Stroms von Atomreaktoren erzeugt und nur 5,9 Prozent über Gaskraft­werke68. Die restliche Erzeugung erfolgte über Wind- und Wasserkraft, sowie PV-Anla­gen.

Allerdings sind auch in unserem Nachbarland die Stromkosten erheblich gestiegen, weil ein Preisdeckel des hochverschuldeten Betreibers EDF ausgelaufen ist69. Zudem sind die Baukosten eines neuen Kernkraftwerks von 3 auf 13 Milliarden Euro explodiert. Im Jahr 2022 kam es sogar zu Versorgungsengpässen aufgrund von Wartungsarbeiten an den Meilern70.

Kritiker führen die hohen Schulden von EdF, dem Betreiber der französischen Kernkraftwerke, oft als Beleg für das Scheitern der französischen Energiepolitik an. Tat­sächlich hat das Unternehmen derzeit eine Schuldenlast von 54 Milliarden Euro, konnte aber seit 2007 -- mit Ausnahme von 2022 -- jedes Jahr Gewinne erzielen, im Jahr 2023 sogar 10 Milliarden71.

Betrachtet man die dreistelligen Milliardenbeträge, die deutsche Politik bisher für erneu­erbare Energien verpulvert hat, ohne den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, er­scheint Frankreich als Musterknabe.

Das Energy BrainBlog schrieb 202272:

Insbesondere die relativ CO2-arme Stromerzeugung in Frankreich trägt zu gerin­gen klimaschädlichen Emissionen bei. Die CO2-Intensität der Stromer­zeugung in Frankreich lag im Jahr 2020 bei etwa 57g CO2/kWh (Quelle: Statista). In Deutsch­land hatte der Strommix zur gleichen Zeit eine über sechs Mal so hohe CO2-Inten­sität von 366 gCO2/kWh (Quelle: UBA ). Grund für diese hohe Diskrepanz sind die verwendeten Technologien zur Stromer­zeugung in den beiden Ländern.

Die Wiederkehr

Im Oktober 2024 berichtete das Handelsblatt, dass CDU und CSU die Rückkehr der Kernkraft planen73. Im Falle eines Wahlsiegs bei der Bundestagswahl 2025 sollen die zuletzt vom Netz gegangenen Kernkraftwerke reaktiviert werden.

Framatome, ein Tochterunternehmen des französischen Energiekonzerns Areva, habe bestätigt, dass fünf noch nicht abgebaute Atommeiler »unkom­pliziert reakti­viert und schnellstmöglich wieder ans Netz gehen könnten«.

In der Ampel-Regierung war die Stilllegung der letzten deutschen Kernkraftwerke im April 2023 umstritten zwischen den Grünen und der FDP, sodass Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ein Machtwort sprechen musste.

Die Kraftwerksbetreiber sind überzeugt, dass eine Rückkehr zur Kernenergie in Deutsch­land nicht realistisch ist. Sie betrachten das Thema Atomkraft als abgeschlossen und glauben nicht, dass sich Investoren für den Bau neuer Kernkraftwerke gewinnen lassen.

3. Teil: Lesen Sie hier weiter


  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk#Begriffsgeschichte

  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Nuklearkatastrophe_von_Tschernobyl

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