Dies ist ein Auszug aus dem Buch Das Praxisbuch Pedelec für Einsteiger - Kaufberatung & Fahrpraxis
Autor: Rainer Gievers - Publiziert im Januar 2021
Für den Vortrieb Ihres Pedelecs sorgt das Zusammenspiel einer ganzen Reihe von Komponenten: Der Motor, die Bedieneinheit am Lenker und Kette beziehungsweise Riemen. In diesem Kapitel geht es um den Motor und die dazugehörige Bedieneinheit.
Es gibt drei Möglichkeiten einen Motor am Fahrrad unterzubringen.
Der Frontmotor (Nabenmotor) ist heute im Handel aus gutem Grund nur noch bei sogenannten Baumarkträdern (siehe Kapitel Baumarkträder) anzutreffen.
Weil das Gewicht des Fahrers auf dem Hinterrad liegt, ergibt sich beim angetriebenen Vorderrad eine schlechtere Traktion, die bei Nässe oder losem Untergrund zu einem Wegrutschen führen. Auch Steigungen sind wegen fehlender Traktion problematisch.
Das Lenkverhalten wird von vielen Nutzern als negativ empfunden und der Reifenwechsel am Vorderrad ist umständlich.
Ebenfalls eher ein Nischenprodukt sind Pedelecs mit Hinterradmotor, auch wenn diese Antriebsart Vorteile mitbringt.
Weil der Leistung direkt an der Hinterradnabe abgegeben wird, reduziert sich der Kettenverschleiß. Die direkte Leistungsabgabe macht den Motor sehr sparsam.
Weitere Vorteile sind die Option, eine Kurbel mit drei Kettenblättern (bei Kettenschaltung) zu fahren, sowie den Akku durch Energierückgewinnung (Rekuperation beim Bremsen) aufzuladen.
Nachteilig ist der umständliche Ausbau der Hinterrads für Reparaturen oder Reifenwechsel.
Am Markt haben sich Fahrräder mit Mittelmotor, der im Kurbelgehäuse verbaut ist, durchgesetzt.
Von Vorteil ist der niedrige Schwerpunkt, sowie die Unterstützung von Naben- und Kettenschaltung.
Dem Nachteil, dass der Kettenverschleiß höher ausfällt, steht der Vorteil gegenüber, dass der Motor immer im optimalen Leistungsbereich arbeitet. So fällt auch der geringfügige Kraftverlust durch die indirekte Kraftübertragung an das Hinterrad nicht so stark ins Gewicht.
Im Vergleich zum Hinterradmotor haben Fahrräder mit Mittelmotor in der Regel einen größeren Radstand.
Der Mittelmotor ist inzwischen bei fast alle verkauften Pedelecs anzutreffen. Selbst bei Mountainbikes, die einen hohen Drehmoment für Bergfahrten benötigen, ist der Mittelmotor inzwischen Standard.

Impulse-Motor eines Kalkhoff-Pedelecs (Mittelmotor).
Das Antriebssystem des Pedelecs, bestehend aus Akku, Bedieneinheit mit Steuerungscomputer und Motor wird meistens von einem Drittanbieter zugeliefert.
Wichtig ist das maximale Drehmoment eines Motors, welches in Newtonmeter (Nm) angegeben wird. Ein hohes Drehmoment sorgt für schnelle Beschleunigung und problemloses Überwinden von Steigungen. Die leistungsfähigsten Motoren wie das Bosch Performance Line CX (4. Generation) mit 85 Nm werden in Mountainbikes verbaut und sind in Trekkingbikes nur selten zu finden. Das hat auch Kostengründe, denn zum einen muss der Rahmen steifer gebaut sein, zum anderen sind die Highend-Boschmotoren teurer. Der maximale Drehmoment spielt bei der Pedelec-Nutzung in der Stadt praktische keine Rolle. Anders sieht es aus, wenn Sie ab und zu auf einer Tour Berge hochfahren müssen, denn dann erweist sich ein möglichst hohes Drehmoment als nützlich.
An jedem Pedelec lässt sich die Motorunterstützung über einen Knopf oder Schalter in mehreren Stufen regeln. Man spricht dabei von der Unterstützungsstufe. Beim Bosch Active Line-Antriebssystem gibt es beispielsweise die Unterstützungsstufen Turbo (250%), Sport (170%), Tour (100%) und Eco (40%). Zu lesen sind die Angaben so: Im Turbo-Modus unterstützt der Motor 100% Eigenleistung mit zusätzlichen 250%. Von der Unterstützungsstufe hängt auch der erreichbare maximale Drehmoment ab.
Die Antriebssysteme sind fast alle als Mittelmotor für den Einbau im Tretlagerbereich ausgelegt. Im Kapitel Motorposition gehen wir auf die Vor- und Nachteile des Mittelmotors ein.
Als Standard für die Akkuspannung hat sich 36 Volt etabliert, welches die zuvor gebräuchlichen 24 Volt-Systeme fast vollständig abgelöst hat. Im Handel sind nur noch selten günstige Pedelecs damit ausgestattet, gebraucht werden sie mit 24 Volt allerdings noch häufiger angeboten (siehe dazu unsere Kaufhinweise im Kapitel Gebrauchtkauf). Am Horizont steht schon 48 Volt für die Ablösung bereit, das zum Beispiel von NCM (siehe Kapitel Baumarkträder) und Anbietern von Umbausätzen vorangetrieben wird.
Den Innovationen im Antriebsbereich setzen technische und physikalische Gegebenheiten eine Grenze. Ein nur 2 kg schwerer Mittelmotor ist beispielsweise aktuell aufgrund der auftretenden Kräfte und der Hitzeentwicklung undenkbar. Standard ist ein Motorgewicht zwischen 3 bis 4 kg. Die Antriebs- und Pedelec-Hersteller dürften daher in den nächsten Jahren mehr auf Optimierungen bei den Schaltungen sowie der Steuerungssoftware setzen.
Bitte beachten Sie, dass die Antriebslieferanten inzwischen zu einer fast jährlichen Aktualisierung ihrer Motoren übergegangen sind. Die Infos in diesem Kapitel sind auf dem Stand von Ende 2020 und dürften daher teilweise bereits wieder überholt sein.
Es ist leider extrem schwierig, genaue Marktanteilszahlen der Antriebshersteller zu erfahren. Extra Energy1 hat deshalb im September 2019 eine Umfrage bei deutschen Fahrradhändlern durchgeführt, die folgende Ergebnisse brachte:
Verkaufte Pedelec-Antriebe in 2018 (Gesamt: 100%):
Bei der Frage nach der voraussichtlichen Relevanz in 2025 wurde Bosch an erster Stelle genannt, gefolgt von Shimano Steps, Yamaha, Brose, Panasonic und Bafang. Weitere Antriebe fielen mit einstelligen Prozentzahlen unter ferner liefen.
Mit der Entscheidung für ein Pedelec mit Bosch-Motor machen Sie nichts falsch, denn fast jeder Fahrradfachhändler hält häufig benötigte Bosch-Ersatzteile auf Lager und ist entsprechend geschult. Seinen exzellenten Ruf lässt sich Bosch allerdings gut bezahlen.
Das Bosch-Antriebssystem umfasst auch den Akku, sodass Sie ihn nicht unbedingt vom Pedelec-Hersteller erwerben müssen. Die Bosch-Antriebssysteme sind in mehrere Klassen eingeteilt:

Kettenschaltung/Nabenschaltung. Durch ein Software-Update an der Bedieneinheit sind auch 85 Nm möglich.
Die Bosch-Einstiegsklasse unterstützt Naben- und Kettenschaltung. Ältere Motormodelle haben noch den Zusatz »Cruise«, unterscheiden sich aber technisch kaum.
Dieser kraftvolle Motor ist bei Nabenschaltungen auf 50 Nm Drehmoment gedrosselt. Wir empfehlen daher den Griff zu einem Pedelec mit Kettenschaltung. Auch dieser Motor wurde früher mit dem Zusatz »Cruise« versehen.
Sie finden den Performance Line CX hauptsächlich in Mountainbikes. Es sind aber auch einige höherpreisige Trekkingräder damit ausgestattet, die dann aus Stabiltätsgründen einen Diamant- oder Trapezrahmen haben (zu den Rahmen siehe Kapitel Rahmenformen). Tiefeinsteiger mit diesem Motor gibt es also nicht.
Der Performance Line CX bietet bei Mountainbikes einen eMTB-Modus für dynamische Tretunterstützung. Abhängig vom Pedaldruck passt sich die progressive Motorunterstützung automatisch der individuellen Fahrweise an2.
Aufgrund der hohen Leistung des Performance Line CX leert sich der Akku relativ schnell, was das Dual-Battery-System (zwei Akkus in Reihe geschaltet) von Bosch interessant macht (siehe Kapitel Bosch Dual Battery).
Greifen Sie statt zu der Standard-Bedieneinheit besser zum Bosch Nyon Display. Sie können damit individuell die Leistungsparameter des CX-Motors festlegen.
Vom CX-Motor ist auch eine Version namens Cargo Line für Lasträder verfügbar, die bis zu 400 Prozent unterstützt.
Es gibt vom Performance Line CX inzwischen eine neue Version, die mehrere Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger aufweist. Weil es sich inzwischen um die 4. Weiterentwicklung handelt, spricht der Fachhandel auch vom »CX 4. Gen« (Gen = Generation).
So beträgt das Motorgewicht nur noch 2,9 statt 4 kg und die Unterstützung beläuft sich jetzt auf maximal 340 statt 300 Prozent. Außerdem wurde der Übergang zur Motorabschaltung an der 25 km/h-Schwelle verbessert, sodass kein nerviger Tretwiderstand mehr entsteht. Die Vorteile des neuen Motors sind so gravierend, dass wir von der alten Version dringend abraten. Fragen Sie beim Kauf Ihres Pedelecs mit CX-Motor deshalb unbedingt nach, ob die 2020er-Version verbaut ist.
Bosch hat Ende 2020 ein Update bereitgestellt, das in vielen Pedelecs mit Bosch CX 4. Gen-System bereits vorinstalliert ist und die maximale Unterstützung von 75 auf 85 Nm anhebt. Das Update kann von fast allen Fachhändlern nachträglich im Antriebssystem installiert werden.
Bosch bietet verschiedene Bedieneinheiten (»Bordcomputer«, »Display«) an3, die Sie mit Infos zur Unterstützungstufe, aktuelle Geschwindigkeit und Akkuladezustand versorgen.
Eine Besonderheit stellen Smartphone Hub und COBI.Bike dar, die ihre Funktionen über ein eingestecktes Smartphone zur Verfügung stellen.

* Zu eShift siehe Kapitel Bosch eShift.
** Mini-Display für Verwendung ohne Smartphone

Die Anzeigen des Bosch Purion:

Die Anzeigen des Bosch Intuvia:
Trip-Distanz, Maximalgeschwindigkeit und Durchschnittsgeschwindigkeit können Sie vor Fahrtantritt oder zwischendurch zurücksetzen.

Das Bosch Kiox integriert die vom Bosch Intuvia bekannten Funktionen und darüber hinaus:

Das Bosch Nyon bietet über die Funktionen der oben aufgeführten Bedieneinheiten hinaus Navigation und Smartphone-Integration über Bluetooth. Sie aktualisieren über das Smartphone das Kartenmaterial, außerdem zeigt das Bosch Nyon Smartphone-Benachrichtigungen an.
Ihre Tourendaten werden in das Online-Portal eBike Connect hochgeladen, wo Sie Auswertungen vornehmen.
Fotos: Bosch
Das Konzept hinter COBI.Bike ist einfach: Warum die Bedieneinheit immer aufwendiger aufrüsten, wenn mit dem Smartphone bereits ein leistungsfähiger Computer mit Internetzugang verfügbar ist? Diesen Gedanken haben die Entwickler hinter dem Frankfurter Unternehmen COBI.Bike aufgenommen und eine ausgefuchste Lösung vorgestellt.
Geeignet ist COBI.Bike als Nachrüstsystem für Pedelecs mit den Bosch-Antrieben Active Line, Active Line Plus, Performance Line, Performance Line CX (inkl. eMTB Modus), jeweils ab Baujahr 2014. Die vorhandene Bedieneinheit des Intuvia- oder Nyon-Displays kann zur Bedienung der COBI.Bike-Systems verwendet werden. Bosch hat COBI.Bike auf Funktion und Zusammenspiel mit den eigenen Komponenten erfolgreich überprüft, weshalb der Umbau auf COBI.Bike keinen Einfluss auf die Garantie der Bosch-Motorkomponenten hat.
Das Komplettpaket besteht mehreren Teilen: Der COBI-Hub mit Frontlicht und Smartphone-Halterung, das AmbiSense-Rücklicht sowie ein Daumencontroller. Hinzu kommt noch Material für die Anbringung am Lenker. Für die wichtigsten iPhones wird ein wasserdichtes »Mountcase« angeboten, Besitzer von Android-Handys erhalten eine Universalhalterung und müssen sich selbst um den Regenschutz kümmern.

COBI.Bike mit iPhone im Einsatz. Foto: COBI.Bike GmbH
COBI.Bike hat einen eigenen Akku zur Stromversorgung, über den sich auch das Smartphone laden lässt.
Nach dem Zusammenbau installieren Sie die COBI.Bike-App auf dem Smartphone und können loslegen. Ähnlich dem Bosch Nyon unterstützt COBI.Bike die Navigation und ermöglicht den bequemen Zugriff auf viele Smartphone-Funktionen wie Telefonie, Musikwiedergabe oder Fitnessauswertungen.
Das Frontlicht gehört nicht ohne Grund zum Lieferumfang, denn es wird automatisch, abhängig von der Umgebungshelligkeit ein- und ausgeschaltet. Dazu nutzt das COBI.Bike-System den bei allen Smartphones vorhandenen Helligkeitssensor. Das Rücklicht ist drahtlos ins System integriert und schaltet sich mit dem Frontlicht in Tunneln oder zur Dämmerung ein. In der Offroad-Version von COBI.Bike können Sie das Rücklicht auch als Blinker verwenden (in Deutschland laut StVO nicht zulässig, siehe Kapitel Das verkehrssichere Pedelec). Front- und Rücklicht schalten Sie bei Bedarf auf Knopfdruck ein. Mit einem Handgriff nehmen Sie das Rücklicht ab und laden seinen Akku auf.
Laut dem Entwickler ist COBI.Bike nur für Bosch-Antriebssysteme erhältlich. Es kostet je nach Lieferumfang 250, 299 oder 349 Euro. Der Fahrradhersteller Riese & Müller arbeitet mit COBI.Bike zusammen, um die eigenen Pedelecs an das System anzupassen4.
Der SmartPhone Hub ist eine Weiterentwicklung des COBI.Bike und bietet die gleichen Funktionen. Er besteht aus einer fest am Lenker angebrachten Halterung, die ein 1,52 Zoll (3,9 cm) Mini-Display enthält und bei Bedarf mit dem eigenen Handy gekoppelt wird. Weil das Mini-Display bereits viele Infos anzeigt, brauchen Sie für kleinere Touren nicht extra Ihr Handy anzuschließen.
Im Vergleich zu COBI.Bike fehlt die mitgelieferte Frontleuchte, was aber nicht tragisch ist, denn Sie können an der USB-Buchse des SmartPhone Hub eine im Fachhandel erworbene USB-Beleuchtungslösung betreiben -- sofern Sie darüber nicht Ihren Handy-Akku laden möchten.
Falls Sie von COBI.Bike auf den SmartPhone Hub umsteigen möchten, ist das kein Problem, denn die COBI-Hüllen/Cases sind kompatibel und lassen sich weiternutzen. Auch der Umstieg vom Kiox-System ist dank der baugleichen Stecker kein Problem. Besitzer eines Nyon- oder Intuvia müssen dagegen die Kabel zum Motor auswechseln5.

Bosch SmartPhone Hub (Foto: Bosch)
Das eShift-System integriert elektrische Schaltungen über eine spezielle Schnittstelle in das Bosch-System der Active und Performance Line6. Für den Anwender hat dies den Vorteil, dass die Bedienung über die ohnehin vorhandene Nyon- oder Intuvia-Bedieneinheit erfolgt.
Unterstützt werden derzeit:
Fahrradpuristen werden sich bei Bosch eShift wahrscheinlich entsetzt abwenden. Wenn Sie ohnehin aber viel Geld für ein Pedelec auf den Tisch legen, ist eShift ein nettes Extra, zumal Sie weiterhin manuell schalten können.
Sie erhalten auf dem Display der Bedieneinheit am Tacho einen Hinweis, wenn Sie hoch- oder herunterschalten sollten. Während des Schaltvorgangs wird die Motorleistung kurz reduziert. Geht die Akkuladung zur Neige, schaltet der Motor ab, aber die Schaltung funktioniert noch einige Zeit weiter.
Das in Deutschland produzierende Unternehmen Brose Antriebstechnik GmbH und Co. lässt den Pedelec-Herstellern relativ große Freiheiten bei der Steuerungssoftware. Das heißt, jedes Pedelec-Modell mit Brose-Motor fährt sich anders. Standardmäßig liefert Brose nur den Motor, auf Wunsch aber auch weitere Komponenten wie Display und Bedienelement. Dies gibt den Fahrradherstellern beispielsweise die Möglichkeit, einen eigenen Akku zu verwenden. Auf dem deutschen Markt spielt der Brose-Antrieb kaum eine Rolle, weshalb wir uns hier auf die Besonderheiten beschränken.
Mit bis zu 90 Nm maximalem Drehmoment bringen die Brose-Motoren Pedelecs an ihre Grenzen. Wegen des hohen Kettenverschleißes empfiehlt ein Fachhändler sogar, statt einer Kettenschaltung besser die Nuvinci- oder Rohloff-Nabenschaltung zu verwenden7 (auf diese gehen Kapitel NuVinci und Rohloff ein).
Die unter dem Namen »Drive S« angebotenen Motoren sind für den Einsatz in Mountainbikes konzipiert. Eine dynamische Tretunterstützung wie sie Shimano E8000 und dem Bosch Performance CX mit dem e-MTB-Modus bieten, ist mit »Flex Power Mode« inzwischen ebenfalls vorhanden. Außerdem entkoppelt sich der Motor nach Überschreiten der 25 km/h-Höchstgeschwindigkeit vollständig, was den sonst üblichen Tretwiderstand vermeidet.8
Die Continental Bicycle Systems, eine Tochterfirma des Automobilzulieferers Continental, hat die Weiterentwicklung seines 2017 vorgestellten 48V eBike System inzwischen eingestellt. Die nachfolgenden Infos sind daher nur noch von historischem Interesse.
Das System nutzt bereits 48 Volt statt der bisher üblichen 36 Volt, was mehr Strom für die Anbindung von mehreren, elektrischen Verbrauchern zur Verfügung stellt (analoge Entwicklung wie beim Auto). Der 48V Prime ist eine klassische Mittelmotorvariante, während der 48V Revolution Motor zusätzlich ein stufenloses Automatikgetriebe (CVP) integriert (darauf gehen wir noch im Kapitel NuVinci ein).
Gemeinsam mit den Partnern Cycle Union (Marke »Ebike Manufaktor«) und Kalkhoff entstanden mehr als ein dutzend Pedelec-Modelle mit dem 48V eBike System. Wir gehen davon aus, dass Sie bei diesen nun abverkauften Pedelecs einige günstige Schnäppchen finden.
Die stark ansteigenden Verkaufszahlen machen für große Pedelec-Hersteller die Entwicklung eigener Antriebe rentabel. Die Motoren und Steuerungen können an eigene Bedürfnisse angepasst werden und zudem verdient der Pedelec-Hersteller am Zubehör wie Ersatz-Akkus, das der Kunde nur bei ihm erhält. Dagegen verdient der Hersteller am Bosch-Antriebssystem nach dem Pedelec-Verkauf meistens kein Geld mehr, denn Bosch beliefert den Endkundenmarkt über die Fachhändler direkt.
An vorderster Stelle der hauseigenen Antriebssysteme steht die Derby Cycle GmbH9 mit den Marken Kalkhoff, Focus, Raleigh, Rixe, Univega und Gazelle. Das hauseigene Impulse-Antriebssystem wird in Pedelecs und S Pedelecs verbaut.
Die Derby Cycle GmbH folgt der Marktnachfrage und ist nicht auf den Impulse-Antrieb festgelegt, deshalb verbaut man auch weiterhin Motoren von Bosch, Brose, Shimano usw.

Shimano ist der wichtigste Zulieferer der Fahrradbranche, denn fast jedes Rad ist heute mit einer Bremse oder Schaltung des japanischen Konzerns ausgestattet. Seit einigen Jahren hat Shimano auch Antriebssysteme im Programm, die von allen wichtigen Herstellern wie Kalkhoff, Scott, Ghost und Focus verbaut werden.

Shimano Steps E6100 an einem Kalkhoff-Pedelec.

Die Systeme Steps E7000 und E8000 sind für den Einsatz in Mountainbikes optimiert. Über einen Tretsensor lässt sich beim E8000 die Motorleistung gezielt dosieren.
Für Steps E5000, E6000, E6100 und E7000 bietet Shimano zusammen mit der hauseigenen 8-Gang-Nabenschaltung die elektrische Schaltung Di2 an10.
Der Steps E8000 kann zusammen mit Shimanos 10- oder 11-fach Kettenschaltung (XTR/DEORE XT) und der XT Di2-Steuerung ebenfalls automatisch schalten.
Beachten Sie dazu Kapitel Elektronische Schaltung Di2.
Obwohl der Yamaha-Konzern bereits seit Jahrzehnten elektrische Fahrradantriebe entwickelt, wird der Name hierzulande eher mit Motorrädern assoziiert. Derzeit setzen nur Haibike, Giant, Raymon und Winora für ihre Trekking- und Mountainbikes auf den Yamaha-Antrieb.

Yamaha PWSeries TE an einem Winora-Pedelec.

* abhängig vom gewählten Unterstützungsmodus
Das Unternehmen Giant aus Taiwan, einer der weltgrößten Fahrradhersteller, hat die Yamaha-Motoren für seine eigenen Pedelecs adaptiert. Die Anpassungen von Bauteilen und Software sind sehr umfangreich11 12, was ein Grund dafür gewesen sein mag, dass Giant den Motoren eigene Bezeichnungen gegeben hat. Die Bedieneinheiten sind in zwei Varianten als Ridecontrol Charge und Ridecontrol Evo verfügbar.

Das chinesische Unternehmen Bafang ist ein bedeutender Anbieter von Antriebssystemen, arbeitete aber sehr lange im Verborgenen. Vor allem in »Baumarkt«-Rädern (siehe Kapitel Baumarkträder), die einen Vorder- oder Hinterradantrieb verwenden, ist häufig ein Bafang-Motor verbaut. Vor einigen Jahren hat Bafang sein Sortiment um Mittelmotoren ergänzt, spielt aber auf dem Markt trotz der Gründung einer deutschen Niederlassung in 2016 und einer polnischen Produktionsstätte in 2019 keine große Rolle.

Bafang-Mittelmotor. Foto: Bafang
Sofern Sie die nachträgliche Aufrüstung eines vorhandenen Fahrrads zum Pedelec planen, dürften Sie übrigens häufig auf Bafang stoßen, denn dessen Systeme werden auch als Umbausatz einzeln verkauft. Bafang finden Sie im Handel häufig unter dem Etikett »AEG«, »Groove«, »DAS-Kit«.
Sollten Sie mal ein Pedelec mit Bafang-Motor angeboten bekommen, sollten Sie zumindest mal eine Probefahrt machen. Insbesondere die Mittelmotoren müssen sich qualitäts- und leistungsmäßig (bis zu 120 Nm) nicht vor der Konkurrenz verstecken und kosten nur einen Bruchteil.
Den Mittelmotorantrieb des Münchner Unternehmens Fazua (www.fazua.com) finden Sie in einigen Pedelecs der gehobenen Mittelklasse (ab 3000 Euro) unter anderem von Cube, Focus, Kettler und Centurion.
Im Gegensatz zu allen anderen Herstellern hat Fazua von Anfang an auf eine Rahmenintegration und Freilauf (ab 25 km/h entkoppelt sich der Motor vollständig vom Antrieb) gesetzt. Außerdem lassen sich Motor und Akku entnehmen, wenn man das Pedelec nur als Fahrrad nutzen möchte.
Der Zielgruppe entsprechend -- sportliche Fahrer, die ab und zu Unterstützung benötigen -- bietet der Fazua-Antrieb bis zu 60 Nm Drehmoment und drei Unterstützungsstufen bis zu 240%.
TQ ist ein Münchner Industriezulieferer für elektronische Komponenten, dessen Flyon-Motor in Pedelecs ab 5000 Euro zu finden ist. Im Dauerbetrieb schafft der Motor bis zu 120 Nm Drehmoment und unterstützt den Fahrer bis zu 500% der Tretleistung.

Typisch für den TQ Flyon-Antrieb sind die Lamellen, hier an einem Haibike. Foto: www.haibike.de | pd-f
Derzeit verbauen ausschließlich Haibike und M1-Sporttechnik den HQ-Antrieb in einigen Mountainbikes.
6. Teil: Lesen Sie hier weiter
https://www.velostrom.de/extraenergy-e-v-neueste-erhebungen-zur-pedelec-marktentwicklung-und-ihren-antrieben\ (abgerufen am 01.05.2020)
https://www.bosch-ebike.com/de/news/no-trigger-der-neue-emtb-modus
https://www.bosch-ebike.com/de/produkte/displays
https://www.elektrofahrrad24.de/mit-cobibike-zum-smart-bike-und-noch-weiter
https://www.pocketnavigation.de/2019/08/neuer-cobi-display-bosch
https://www.emotion-ebikes.de/ebikeinfo/bosch-neuheiten-2018/bosch-eshift-2018/
https://www.elektrorad-mott.de/brose_e-bike_antrieb/
https://www.emotion-technologies.de/e-bike-infos/e-bike-pedelec-antriebe/brose
https://de.wikipedia.org/wiki/Derby_Cycle_Holding
https://www.paul-lange.de/index.php/de/details/intelligente-vollautomatik-fuer-shimano-steps.html
https://ebike-news.de/giant-2017-yamaha-motor-syncdrive-pro/166679/
https://www.giant-bicycles.com/_upload/showcases//2017/E-Bike_Launch_Kit_FINAL.pdf