Dies ist ein Auszug aus dem Buch Das Praxisbuch Pedelec für Einsteiger - Kaufberatung & Fahrpraxis

Kaufentscheidung

Autor: Rainer Gievers - Publiziert im Januar 2021

Die Anschaffung eines Pedelecs muss gut überlegt sein, denn schließlich reißt das Gefährt je nach Ausstattung ein Loch von mehreren Tausend Euro in Ihren Geldbeutel. Grundsätzlich empfehlen wir zwar die Beratung durch einen Fachhändler, Sie sollten sich aber trotzdem schon vorab einige Gedanken über die künftige Nutzung machen.

Fahren Sie nur in der Stadt und müssen Sie nur selten Steigungen bewältigen? Dann bietet sich ein Rad mit Nabenschaltung an. Das Runterschalten ist damit auch nach dem Stopp an der Ampel pro­blemlos mög­lich. Das Rad sollte mindestens 7 Gänge haben. Zwei Felgenbremsen beziehungs­weise eine Fel­gen­bremse in Kombination mit einer Rücktrittbremse sorgen für ausreichende Verzögerung. Leider sind inzwischen Räder mit Nabenschaltung nur noch vereinzelt im Liefer­programm der Hersteller zu finden.

Für längere Ausflüge, gerne auch auf schlechten Wegen und mit Steigungen, empfiehlt sich dage­gen ein Trekkingrad mit ausreichend großem Akku und Kettenschaltung. Fall es das Budget zu­lässt, kann auch eine Rohloff-Nabenschaltung interessant sein. Achten Sie auf den maximalen Drehmoment des Motors, denn gerade am Berg sind je nach Steigung 40 bis 50 Newtonmeter (Nm) vielleicht zu wenig.

Ziehen Sie in Ihre Betrachtungen auch das später mitgeführte Gepäck, die Anbringung eines Korbs oder eines Kindersitzes mit ein, denn einige Räder haben nur ein zulässiges Gesamtgewicht von 120 kg. Nach Abzug des Pedelec-Eigengewichts von meistens 20 bis 25 kg darf der Fahrer maxi­mal 95 bis 100 kg auf die Waage bringen. Für schwergewichtige Fahrer hat der Handel allerdings passende XXL-Pedelecs im Angebot.

Nicht zu unterschätzen ist ohnehin das Gewicht des Pedelecs, das Sie wohl kaum täglich die Treppe in die Wohnung oder den Keller schleppen möchten.. Sofern in der Garage oder Gartenhütte kein Platz ist, bietet sich die Anschaffung einer speziellen Fahrradgarage oder zu­mindest eines Unterstands an. Dauerhaftes Regenwetter oder Sonneneinstrahlung schaden der Elektronik. Zudem sind gerade hochwertige Marken-Pedelecs, die unbeaufsichtigt draußen stehen, eine begehrte Diebesbeute.

Eine Probefahrt vor dem Kauf ist -- sofern Sie nicht online kaufen -- unumgänglich. Lassen Sie sich aber vorher von Ihrem Händler Sattel und Lenker passend einstellen.

Hilfreich bei der Kaufentscheidung sind Bewertungen in Diskussionsforen und Testberichte im In­ternet.

Online-Kauf eines Markenfahrrads

Wir haben den Begriff »Markenfahrrad« ganz bewusst in die Überschrift übernommen, denn bei den sogenannten Baumarkträdern, auf die wir im Kapitel Baumarkträder eingehen, ist einiges anders.

Wenn Sie sich durch die Angebote der Online-Shops im Internet klicken, werden Sie etwas Inter­essantes feststellen: Die Preise sind bei den Markenrädern in der Regel identisch zu denen im stationären Fachhandel. Obwohl vom Gesetzgeber strikt verboten, schaffen es die Hersteller also, verbindliche Verkaufspreise durchzusetzen. Schon deshalb lohnt sich der Besuch beim stationären Fachhändler. Mit ein bisschen Geschick dürfte es dort allerdings möglich sein, noch einige Prozent des Kaufpreises herunterzuhandeln oder eine Zugabe wie eine Satteltasche oder Werkzeug zu er­halten.


Viele Online-Shops suggerieren Sonderpreise, in der Regel kann man aber die angebotenen Pedelecs auch überall anderes zum gleichen Preis über das Internet und in Fachgeschäften erwerben. Bildschirmfoto: Rad1.de

Ein Vorteil des Online-Handels ist die große Modellvielfalt. Während sich der kleine Fachhändler vor Ort häufig auf einige Hersteller beschränkt, sind bei Online-Händlern 20 bis 30 verschiedene Marken mit jeweils dutzenden Modellen keine Seltenheit.

Das Risiko eines Online-Kaufs ist heute recht gering, denn Sie haben ein 14-tägiges Rückgabe­recht. Weil die Rücksendung über einen Paketdienst wegen der Abmessungen in der Regel nicht möglich ist, wird das Pedelec meistens im Auftrag des Online-Shops durch eine Spedition abge­holt. Beachten Sie, dass der Händler bei Nutzungsspuren die Rückerstattung des Kaufpreises antei­lig kürzen darf. Auspacken und Aufsitzen ist also erlaubt, Ausfahrten sollten Sie dagegen nicht vornehmen, wenn Sie das Rad wieder zurückschicken möchten. Über den im Tacho abgelegten Ki­lometerstand kann der Händler später nachvollziehen, ob Sie das Pedelec aktiv genutzt haben.

Geht das Pedelec innerhalb der zweijährigen gesetzlichen Gewährleistungsfrist kaputt, muss der Online-Händler die Reparatur übernehmen. Bei Markenfahrrädern wird es wohl so ablaufen, dass Sie vom Händler an den Hersteller verwiesen werden, welcher je nach Schadensbild das Rad abho­len lässt, einen Techniker vorbeischickt oder eine Fahrradwerkstatt in der Nähe beauftragt. Eine Verpflichtung, dass Sie selbst den Hersteller-Service kontaktieren, besteht nicht, denn der Händler ist Ihr Vertragspartner und damit auch alleinig für die Instandsetzung verantwortlich.

Außerhalb der Garantie können Sie sich für Reparaturen einfach an eine Fahrradwerkstatt bezie­hungsweise einen Händler wenden. Auch wenn ein Händler Ihr Rad nicht führt, stellt die Besor­gung der passenden Ersatzteile für ihn kein Problem dar. Ohnehin stammen viele Teile wie Gabel, Bremsen, Sattel, Kette, Schaltung usw. von unabhängigen Zulieferern.

Markenhersteller

Unter dem Begriff »Markenhersteller« verstehen wir Unternehmen, deren Pedelecs hauptsächlich über den Fachhandel vertrieben werden. Wie bereits erwähnt, halten sich fast alle Händler -- auch diejenigen mit Online-Shop -- an die Preisvorgaben der Markenhersteller.

In den letzten Jahrzehnten ging es der deutschen Fahrradbranche nicht besonders gut, denn billige Importräder aus Asien sorgten für erheblichen Preisdruck. Der Trend hat sich dank des Elektrorad-Booms inzwischen umgedreht, sodass inzwischen wieder neue europäische Hersteller an den Start gehen.

An dieser Stelle müssen wir den Begriff »Hersteller« etwas relativieren, denn in der Regel werden in den europäischen Fahrradfabriken heutzutage nur noch aus aller Welt zugelieferte Komponenten zusammengesteckt. Die vor 40 Jahren übliche hohe Fertigungstiefe gehört der romantischen Ver­gangenheit an, was heute zu austauschbaren Produkten führt. Auch wenn viele Teile wie der Rah­men ausschließlich aus Asien kommen, sind mit Bosch, Brose, Continental, Magura usw. auch deutsche Unternehmen als Zulieferer erfolgreich.

Einige Fahrradhersteller haben mehrere Marken aufgebaut beziehungsweise zusammengekauft, die unterschiedliche Kundengruppen bedienen. In unserer Auflistung führen wir nur in Deutschland angebotene Pedelec-Marken auf.

  • Die Derby Cycle Holding GmbH ist der größte Fahrradhersteller in Deutschland und der Drittgröße in Europa. Das Unternehmen gehört zur niederländischen Pon Holdings B.V., die weitere Fahrradmarken führt. Die Pedelec-Marken der Derby Cycle Holding: Kalkhoff, Focus, Rixe, Univega und Raleigh.
  • Die Winora-Staiger GmbH gehört zur niederländischen Accell Group N.V. und produ­ziert die Marken Winora und Haibike.
  • Für die Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft (ZEG) werden die Marken Pegasus, Hercules und Bulls von Drittfirmen produziert.

Unsere Auflistung umfasst die unserer Ansicht nach wichtigsten Marken. Die angegebenen Preis­spannen orientieren sich an den Verkaufspreisen in verschiedenen großen Online-Shops im August 2018. Es sind auch heruntergesetzte Modelle des Vorjahres in die Preisfindung eingegangen, was die Aussagekraft etwas einschränkt.

Alle Hersteller decken mindestens den Preisbereich ab 2000 bis etwa 4000 Euro ab.

Unterschiede in Preis und Ausstattung

Sie werden sich zu Recht fragen, was denn nun der genaue Unterschied zwischen einem günstigen und einem teuren Trekkingrad ist. Wir haben deshalb zwei Gefährte mit 1000 Euro Preisabstand genauer unter die Lupe genommen:

Zuerst sei die Anmerkung erlaubt, dass die Angaben der Hersteller beziehungsweise Händler nicht immer der Realität entsprechen müssen. So dürfte das Gewicht der Pedelecs je nach Rahmengröße um einige hundert Gramm von den Angaben abweichen. Außerdem sind häufig die technischen Daten nur ungenügend dokumentiert, sodass ein Vergleich zweier Pedelec-Modellen schwierig wird.

Die Federgabel (siehe Kapitel Federung des Treckingrads) basiert beim günstigen Bergamont auf einer Metallfeder, während das Cube eine höherwertige Luftfederung verwendet.

Beim Motor setzen Bergamont und Cube auf unterschiedlich leistungsfähige Modelle von Bosch (siehe Kapitel Bosch) und auch der Akku (siehe Kapitel Akku-Leistung) ist beim Berga­mont um 100 Wh kleiner.

Ein Highlight des Cube ist die elektronische Di2-Schaltung, die automatisch die Gänge wechselt (siehe Kapitel Elektronische Schaltung Di2).

Zusammengefasst: Der Preisunterschied zwischen dem Bergamont und Cube-Pedelec ist gerecht­fertigt, weil letzteres wesentlich hochwertigere Komponenten nutzt.

Individualisierung

Geld spielt für Sie keine Rolle? Sie möchten etwas ganz Besonderes und kein Pedelec »von der Stange«? Dann kommen die sogenannten Manufakturen ins Spiel. Darunter verstehen wir Herstel­ler, die das Pedelec für jeden Kunden individuell zusammenstellen, was entweder im Kunden­gespräch oder über einen Online-Konfigurator auf der Firmenwebsite erfolgt. Einige Hersteller arbeiten mit lokalen Fachhändlern zusammen, bei denen Sie das fertige Rad später abholen können.


Stellen Sie sich selbst das gewünschte Rad zusammen. Bildschirmfoto:www.velo-de-ville.de.

Beachten Sie, dass die folgende Auflistung nicht vollständig ist.

Die Konfigurationsmöglichkeiten unterscheiden sich zwischen den Manufakturen deutlich, denn während Sie bei einigen nur Rahmen, Motor und Farbe auswählen können, erlauben andere eine sehr individuelle Festlegung jeder einzelnen Komponente, von der Federgabel bis zum Sattel.

Bei Markenrädern sparen

Sofern Sie nicht zu einem gebrauchten Pedelec greifen möchten, worauf nächstes Kapitel eingeht, sind Ihre Einsparmöglichkeiten eingeschränkt. Im besten Fall können Sie Ihren Händler um 5 bis 10 Prozent herunterhandeln oder kleine Zugaben wie besseren Sattel, gefederte Sattelstütze, Lenk­radkorb oder Satteltasche aushandeln.

Eine weitere Sparmöglichkeit ergibt sich durch Rahmenverträge, die von größeren Firmen und In­stitutionen mit bestimmten Herstellern oder Händlern abgeschlossen werden. Uns ist beispielswei­se eine regionale Krankenkasse bekannt, deren Mitarbeiter zeitweise 16 Prozent Rabatt bei einem Händler bekamen. Fragen Sie einfach mal bei Ihrem Arbeitgeber nach, ob solche Sparmöglichkei­ten angeboten werden.

Größe Rabatte sind teilweise zum Saisonwechsel möglich. Dazu muss man wissen, dass die Pede­lec-Hersteller inzwischen jährlich einige Modelle aus dem Programm nehmen oder austauschen. Üblicherweise werden die Modelle des nächsten Jahres zur Jahresmitte vorgestellt und sind meis­tens direkt lieferbar. Das heißt, bis August 2020 sind bereits viele 2021er-Modelle erschienen. Die Modelle der Vorjahre sind dann in der Regel etwas verbilligt zu haben. Übrigens sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Saison-Modellen häufig nur gering und häufig gibt es sogar Verschlechterungen beim Nachfolger.

Im Folgenden analysieren wir mal die wichtigsten Unterschiede zweier Modelljahrgänge anhand des »Husqvarna Gran Tourer GT5 Damen« für 2019 und 2020.

Schon auf dem ersten Blick fällt auf, dass Husqvarna beim 2020er-Modell zahlreiche Kompo­nenten aus dem eigenem Haus verbaut. In der Regel dürfte es sich allerdings um Produkte von Drittanbietern handeln, die nach Husqvarna-Vorgaben produziert wurden. Das muss nicht unbe­dingt schlechtere Qualität zu den Markenkomponenten bedeuten, erschwert aber die Vergleich­barkeit mit Pedelecs anderer Hersteller. Die gleiche Strategie sieht man auch bei im Billigsegment aktiven Anbietern wie Fischer und Prophete.

Der Wechsel bei Schaltwerk, Kassette, Kette und Schalthebel von Shimano nach Sram spielt dagegen keine große Rolle, da klassische Mittelklasse-Komponenten verwendet werden, die sich qualitativ kaum unterscheiden.

Ärgerlich ist auch das um 700 Gramm höhere Gewicht des 2020er-Modells, für das wir keinen Grund finden.

Mit dem Griff zum Vorjahresmodell machen Sie also in der Regel nichts falsch und sparen sogar Hunderte Euro!

Gebrauchtkauf

Machen Sie sich zuerst Gedanken, welche technischen Daten Ihr Wunschrad aufweisen soll.

Wenn Sie nur ab und zu wenige Kilometer zur Arbeit beziehungsweise in der Stadt fahren, muss der Akku keine 50 km Reichweite haben, die Gangschaltung darf ruhig eine Nabenschaltung mit 7 Gängen haben und eine Felgenbremse reicht vollkommen aus.

Möchten Sie dagegen längere Radtouren vornehmen, kommt nur ein Rad mit großem Akku, leis­tungsfähigem Motor, Scheibenbremsen und Kettenschaltung in Frage.

Die lokalen Anzeigenblätter oder Anzeigen in der Lokalzeitung sind heute nicht mehr angesagt, denn heute läuft fast alles über das Internet. Suchen Sie in Ebay ( www.ebay.de ), Ebay Kleinanzei­gen ( www.ebay-kleinanzeigen.de ) oder Quoka ( www.quoka.de ) nach »E-Bike« oder »Pedelec«. Die Suche können Sie auch auf Ihren Umkreis eingrenzen, nachdem Sie neben dem Suchfeld Ihre Post­leitzahl eingegeben haben.


Sie können sich in Ebay-Kleinanzeigen entweder durch die Kategorien klicken (Auto, Rad & Boot/Fahrräder & Zubehör) oder führen eine Suche durch, die sich auch auf den Umkreis Ihres Wohn­orts eingrenzen lässt. Beachten Sie, dass viele Verkäufer ihre Pedelecs als »E-Bike« einstellen, wes­halb Sie »E-Bike« Suchbegriff vermutlich mehr Ergebnisse erhalten. Bildschirmfoto: www.ebay-kleinanzeigen.de.

Ohne weiteres Nachdenken aussortieren können Sie alle Anzeigen von:

  • Pedelecs mit unpassender Rahmengröße (siehe Kapitel Rahmengröße).
  • »Echten« E-Bikes (siehe Kapitel E-Bike), die meistens ohnehin keine Straßenzulassung haben.
  • Wenn kein Akku mehr vorhanden ist, oder der Akku beziehungsweise das Ladegerät einen Defekt aufweisen. Es besteht dann keine Möglichkeit, das Pedelec zu testen.
  • Pedelecs mit 24 Volt-Antriebssystem, denn längst sind die leistungsstärkeren 36 Volt aktu­ell.
  • Pedelecs, die älter als 4 Jahre sind, weil es bei älteren Modellen Probleme mit der Ersatz­teilbeschaffung gibt und der Akku häufig nach ca. 5-10 Jahren den Geist aufgibt. Prüfen Sie, ob der Akku noch nachgekauft werden kann.
  • Baumarkt-Pedelecs (siehe Kapitel Baumarkträder), sofern sie nicht mehr in der Ga­rantie sind.
  • Pedelecs, die offenbar einen Unfall hatten, denn eventuell ist danach der Rahmen verzogen oder wichtige Teile wie der Akku sind beschädigt. Unfälle erkennen Sie meist an deut­lichen Lackschäden und Kratzern. Achten Sie auf Risse am Sattelrohr.
  • Pedelecs mit Seilzug- statt Hydraulikbremsen (sofern es sich nicht um ein Baumarktrad handelt).

Wie bereits im Kapitel Performance Line CX erläutert, hat Bosch den Antrieb im Modelljahr 2020 stark verbessert. Dies sollten Sie bei Ihrer Entscheidung zwischen verschiedenen Angeboten berücksichtigen.

Okay, Sie haben ein interessantes Pedelec gefunden und besuchen den Verkäufer:

  • Der günstigste Zeitpunkt zum Kauf sind Herbst bis Frühling, weil dann viele Verkäufer ihren Keller freiräumen.
  • Sollte der Verkäufer den Namen des Pedelecs nicht exakt in seiner Anzeige angegeben ha­ben, dann fragen Sie vor dem Besuch danach. Sie können so schon vorab Gebraucht- und Neupreis vergleichen, was für beide Seiten die Verkaufsverhandlung erleichtert.
  • Interessant sind Angebote von älteren Menschen, sowie die von Personen, die aus gesund­heitlichen Gründen nicht mehr fahren können. Deren Pedelecs sind meist in erstklassigem Zustand.
  • Pedelecs sind ein beliebtes Diebesgut. Ein seriöser Verkäufer sollte die Originalrechnung vorweisen können, selbst wenn das Gefährt schon aus der zweijährigen Gewährleistung ist. Manche Hersteller geben auf den Rahmen eine gesonderte Garantie von 10 oder mehr Jah­ren, wofür Sie die Rechnung benötigen.
  • Die Bedieneinheit der meisten Pedelecs zeigt die zurückgelegten Gesamtkilometer an. Zwar lässt sich dieser Zähler meistens mehr oder wenig umständlich zurücksetzen, nur macht davon nicht jeder Verkäufer Gebrauch. Sofern der Zähler unter 500 km steht, ist das Rad als praktisch neu anzusehen.
  • Sind die Reifen abgefahren, obwohl der Verkäufer das Pedelec nur wenig genutzt haben will? Erkennen Sie zudem einen deutlichen Verschleiß an den Pedalen oder der Kette, dann dürfte der Verkäufer damit schon viele Tausend Kilometer zurückgelegt haben.
  • Schaut das Pedelec gepflegt aus? Weisen Kratzer auf einen Unfall hin? Ist der Akku be­schädigt? Funktioniert das Laden mit dem Ladegerät? In welchem Zustand sind Bremsen, Kette und Schaltung? Wurde eine jährliche Wartung in der Werkstatt durchgeführt und hat der Verkäufer bereits Teile tauschen lassen?
  • Bei hochwertigen Pedelecs wird sich ein Besuch beim Fachhändler lohnen, denn bei vielen Fabrikaten ist es möglich, am Diagnosestand die verbleibende Akkukapazität, die Anzahl der Ladezyklen, den Getriebeverschleiß und die Gesamtkilometer zu ermitteln.
  • Geht es um den Kauf eines S Pedelecs (siehe Kapitel S Pedelec), dann muss Ihnen der Verkäufer auch die Zulassungsbescheinigung (COC) übergeben. Wichtig: Prüfen Sie, ob der Verkäufer vielleicht bauliche Änderungen vorgenommen hat, beispielsweise den Sattel, den Lenker oder die Reifen getauscht hat, denn bei S Pedelecs gibt es genaue Vorgaben, was zulässig ist (siehe Kapitel S Pedelec ).

Eine längere Probefahrt mit voll aufgeladenem Akku ist immer nötig, damit Sie nicht nur den Akku, sondern auch die Fahreigenschaften prüfen können. Schalten Sie durch alle Gänge, probie­ren Sie die Bremsen aus und testen Sie die verschiedenen Motorunterstützungsstufen. Die einzel­nen Komponenten dürfen keine ungewöhnlichen Geräusche von sich geben.

Der Verkaufspreis bildet sich in der freien Marktwirtschaft durch Angebot und Nachfrage. Als Richtwert verliert ein Pedelec innerhalb eines Jahres 30 Prozent seines Wertes und ist nach zwei Jahren nur noch die Hälfte des Anschaffungspreises wert1. Wichtig ist die Akkureichweite, denn wenn Sie den Akku für 400 bis 700 Euro nachkaufen müssen, wird so manches Pedelec-Angebot uninteressant.

Kaufvertrag

Die meisten Verkäufe zwischen Privatpersonen laufen formlos, quasi per Handschlag, ab. Wir ra­ten aber trotzdem zu einem Kaufvertrag.

Stellt es sich nachträglich heraus, dass Ihr im guten Glauben erworbenes Pedelec Diebesgut war, so kann es ohne Entschädigung eingezogen werden, um es dem Eigentümer zurückzugeben. Ohne Kaufvertrag haben Sie eventuell nur geringe Chancen, den Kaufpreis vom Verkäufer zurückzuer­halten. Übrigens ist es nicht selten, dass Verkäufe unautorisiert stattfinden, beispielsweise weil es in einer Familie Krach gab und nun einer der Ehepartner das Eigentum des anderen mutwillig ver­äußert.

Wird Ihr Pedelec mal gestohlen und später wiedergefunden, so benötigen Sie ebenfalls einen Ei­gentumsnachweis damit sie es zurückerhalten, was ohne Rechnung schwierig wird.

Was gehört in den Kaufvertrag?

  • Name und Anschrift des Verkäufers und es Käufers
  • Kaufort und Kaufdatum
  • Kaufpreis
  • Genaue Modellbezeichnung des Pedelecs oder alternativ eine Angaben zu wichtigen Merk­malen
  • Hinweis auf Privatverkauf unter Ausschluss von Gewährleistung beziehungsweise Hinweis »gekauft wie gesehen«.
  • Unterschrift des Verkäufers und/oder bei Barzahlung eine Bestätigung des Verkäufers: »Betrag am xx.xx.xxx Bar erhalten« mit dessen Unterschrift.

Verkaufsportale

Neben den bereits erwähnten Anzeigenmärkten Ebay, Ebay-Kleinanzeigen und Quoka gibt es eini­ge weitere, die regional unterschiedlich stark mit Angeboten bestückt sind.

  • Rebike1 (www.rebike1.de) kauft und verkauft ausschließlich Pedelecs. Die Räder werden vor dem Wiederverkauf untersucht und Verschleißteile gegebenenfalls ausgetauscht, wes­wegen jedes Gebrauchtrad 2 Jahre Garantie hat.
  • Auf Bike-Exchange ( www.bikeexchange.de ) bieten ausschließlich Händler Fahrräder und Zubehör an. Insbesondere bei den Pedelec-Vorjahresmodellen lässt sich hier Geld sparen. Bitte beachten Sie, dass viele gelistete Händler nur lokal aktiv sind und nicht versenden.
  • Den Marktplatz Speiche24 ( www.speiche24.de ) nutzen hauptsächlich private Verkäufer.
  • Das Angebot von bikesale.de (www.bikesale.de) umfasst einen An- und Verkaufsdienst, wobei Käufer von der gesetzlichen einjährigen Gewährleistung profitieren, sowie einem privaten Marktplatz.
  • Wenn Sie ein E-Mountainbike suchen, sind Sie vielleicht auf dem Bikemarkt von MTB News richtig, das Sie unter bikemarkt.mtb-news.de aufrufen.
  • Markt.de ( www.markt.de/marktplatz/fahrraeder ) listet Anzeigen von privaten und gewerb­lichen Verkäufern.


Bildschirmfoto: bikesale.de (www.bikesale.de).

13. Teil: Lesen Sie hier weiter


  1. https://www.elektrobike-online.com/know-how/tipps-zum-e-bike-gebrauchtkauf.1286374.410636.htm