Dies ist ein Auszug aus dem Buch Das Praxisbuch Pedelec für Einsteiger - Kaufberatung & Fahrpraxis

Unterwegs Akku laden

Autor: Rainer Gievers - Publiziert im Januar 2021

Ihre Fahrradtouren orientieren sich in der Regel an der Akkukapazität. Wenn Sie sich an unseren Tipps im Kapitel Reichweite erhöhen orientieren, sind -- je nach Akku -- auch längere Touren von 100 km locker realisierbar.

Was aber tun, wenn Sie mal eine längere Strecke zurücklegen möchten, oder jemand aus ihrer Fah­rergruppe mit einem schwachbrüstigen Akku unterwegs ist? Vielleicht möchten Sie auch mal dauerhaft die höchste Unterstützungsstufe Ihres Pedelecs nutzen, was die Akkureichweite stark re­duziert? Die Mitnahme eines zweiten Akkus ist nicht immer praktikabel, da Sie somit bis zu 4 Ki­logramm zusätzliches Gewicht mitschleppen, andererseits auch noch mehrere hunderte Euro inves­tieren müssten.

Praktischer ist die Mitnahme des Akkuladenetzteils, um unterwegs »nachzutanken«. Die meisten Gasthäuser dürften, eventuell gegen Bezahlung, nichts dagegen haben, wenn Sie während der Rast den Akku aufladen.

Viele Stromnetzbetreiber und spezialisierte Dienstleister haben in den letzten Jahren auf die Nach­frage reagiert und Pedelec-Ladestationen eingerichtet. Auch Geschäfte, darunter auffällig viele Fahrradläden, bieten diesen Service an, der sogar häufig kostenlos ist. Bei letzteren hat man häufig allerdings nur während der Geschäftszeiten Zugriff auf die Ladeeinrichtung.

Den Akku müssen Sie manchmal für das Aufladen aus dem Pedelec entnehmen, weil Sie nicht di­rekt bis an die Ladestation fahren können. Bei feuchter Witterung empfiehlt es sich dann, die Ladekontakte am Pedelec abzudecken. Bosch vertreibt für das hauseigene Akkusystem passende Blindstopfen (Bestellnummer 0275007437).

Ladestationen

Die Ladestationen finden Sie in den unterschiedlichsten Ausprägungen. Einige bestehen einfach nur aus einer kostenlos nutzbaren Steckdose, andere wiederum werden als Ladesäule betrieben. Meistens sind die Ladestationen kostenlos, weil sich die Betreiber davon einen Werbeeffekt ver­sprechen.

Sie müssen vor Fahrtantritt selbst recherchieren, wo unterwegs eine Lademöglichkeit besteht, denn eine zentrale Auskunftsstelle wie bei konventionellen Tankstellen existiert nicht. Geben Sie dazu einfach in Google in Ihrem Webbrowser »Ladestation E-Bike« und eine Stadt beziehungsweise ei­nen Landkreis auf Ihrer geplanten Fahrradroute ein. Sollte es bei einer gefundenen Lademöglich­keit keine klare Angabe zur 24-Stunden-Verfügbarkeit geben oder der Standort unklar sein, fragen Sie besser telefonisch nach.

Bike Energy

Unter dem Namen Bike Energy vertreibt das österreichische Unternehmen MEGAtimer GmbH La­destationen in unterschiedlichster Ausführung für Pedelecs und Elektroautos.


Auf der Webseite www.bike-energy.com/wo-kann-ich-mein-e-bike-laden listet Bike Energy alle seine öffentlich zugänglichen Ladestationen auf.

Eine Besonderheit ist, dass die Ladestationbetreiber alle möglichen Ladeadapter vorhalten. Sie brauchen deshalb nicht Ihr eigenes Ladenetzteil mitzuführen, sondern leihen es sich einfach vor Ort aus.

Unter der Webadresse www.bike-energy.com/ladekabel erfahren Sie, ob auch Ihr Pedelec-Modell unterstützt wird. Falls Sie häufiger eine Bike Energy-Ladestation anfahren, können Sie das passen­de Ladekabel unter www.bike-energy.com/produkt-kategorie/ladekabel-fuer-e-bikes für rund 70 Euro erwerben.

Software

Ein Smartphone hat heute fast jeder in der Tasche. Es lässt sich nicht nur zur Navigation, sondern auch für die Ladestationsrecherche verwenden, wobei man auch hier alle angebotenen Infos über­prüfen sollte.

Für Android-Handys und iPhones ist »Ebike Ladestationen finden« der Internetstores GmbH er­hältlich. Das Programm zeigt in einer Karte die nächstgelegenen Ladestationen mit Adresse und Kostenangabe auf. Offenbar ist die Auflistung auf größere Anbieter wie Stadtwerke, Stromnetzbe­treiber und Autohäuser beschränkt, denn es fehlen fast alle Gasthöfe und Läden, die ebenfalls ihre Steckdosen feil bieten. Urlauber dürften begrüßen, dass auch Ladestationen in der Schweiz und Österreich angezeigt werden.

»E-Station | Ebike und Pedelec Ladestationen« von JKG für Android-Handys listet standardmäßig alle Ladestationen in der Nähe auf, ist aber auch auf eine Kartenansicht umschaltbar. Nutzer dürfen neue Ladestationen melden und bestehende kommentieren. Deshalb sind in der Liste auch kleinere Geschäfte, Gaststätten und Hotels mit Lademöglichkeit aufgeführt.

E-Auto-Ladestationen

Für Elektroautos waren deutschlandweit laut der Organisation European Alternative Fuels Obser­vatory (engl. »Europäische Beobachtungsstelle für alternative Energie«) in 2018 schon mehr als 22.000 Ladestationen vorhanden1. Wie Sie auch Ihr Pedelec daran laden, erfahren Sie in diesem Kapitel.

Eine haushaltsübliche Schukosteckdose liefert nur 2,3 bis 3,1 Kilowatt (kW) Ladeleistung, wes­halb das Aufladen beispielsweise eines VW E-Golfs 17 Stunden dauern würde2. Deshalb haben die Autohersteller verschiedene Ladestandards mit höherer Leistung entwickelt. Um Chaos zu ver­hindern, wurde von der Bundesregierung eine Ladesäulenverordnung3 erlassen, die für öffentlich zugängliche Ladesäulen über >3,6 kW bis 22 kW Wechselstromladeleistung einen Anschluss nach IEC 62196 Typ 2 vorschreibt.

Die meisten Ladesäulen für Elektroautos sind leider kostenpflichtig und benötigen eine vorherige Registrierung beim Betreiber. Dies geschieht meistens auf dessen Website oder über eine Smart­phone-App. Vor dem Aufladevorgang gibt man in der App die Ladesäule frei.


Einige Ladestationen, hier am Bahnhof von Altenbeken bei Paderborn, sind sehr luxuriös mit Über­dachung und für Elektrofahrzeuge reservierten Parkplätzen ausgestattet.

Ärgerlicherweise nutzt jeder Ladesäulenbetreiber eine andere Abrechnungsmethode. Einige rech­nen fair die abgenommene Energie ab, andere kassieren wiederum pro Stromabnahme einen festen Betrag oder orientieren sich an der Ladedauer (!). Eine Preisangabe direkt an der Ladestation ist im Gegensatz zu den fossilen Tankstellen nicht vorgeschrieben und nur extrem selten vorhanden. Ein Kostenvergleich lohnt sich daher schon im Vorfeld.

Zwar sind einige Elektroautoladestationen auch mit normalen Schukosteckdosen ausgestattet, in der Regel werden Sie aber einen Typ 2-Anschluss vorfinden. Der Handel vertreibt glücklicherwei­se Typ 2-Schuko-Adapter, die allerdings sperrig sind und rund 200 Euro kosten.


Typ 2 auf Schuko-Adapter mit einer Zigarettenschachtel als Größenvergleich. Über einen Schlüs­selschalter (oben in der Mitte) wird eine elektrische Verriegelung des Typ 2-Steckers in der Ladesäule aktiviert. Erst danach ist das Laden möglich.


Sieht für Außenstehende gewöhnungsbedürftig aus: Das Pedelec lädt über einen Typ 2-nach-Schu­ko-Adapter an der Elektroautoladesäule.

Eine vollständige Liste der Ladesäulenbetreiber für Elektroautos hat die Bundesnetzbehörde auf der eigenen Website bereitgestellt4. Sehr zu empfehlen ist auch die Webseite www.goingelectric.­de/stromtankstellen , wo Sie zu jeder Ladesäule Hinweise über den genauen Standort und das Abrechnungssystem erhalten.


Die Webseite www.goingelectric.de/stromtankstellen.

Für Android-basierte Smartphones sind diverse Apps erhältlich, die Ihnen die nächste Elektroauto-Ladestation anzeigen, beispielsweise »Stromtankstellen« von Harnisch Ges. m. b.H. oder »Charge­map-Aufladestationen« von Chargemap. Für Apple iPhone empfehlen wir »chargeEV« von Remus Lazar, »PlugShare« von Recargo Inc. oder »Plugsurfing« vom gleichnamigen Entwickler.

Die Plugsurfing-App zeigt nicht nur die nächstgelegene Autoladestation mit Ladekosten an, son­dern führt auch die Abrechnung durch. Den Ladevorgang starten Sie wahlweise über eine Schalt­leiste in der App, durch Fotografieren eines QR-Codes oder einen optional für 10 Euro erhältlichen Ladeschlüssel (mit NFC). Abgerechnet wird über Kreditkarte oder PayPal-Konto.

Pedelec-Akku im Wohnmobil laden

In Wohnmobilen beziehungsweise Wohnwagen stehen mit 230 Volt und 12 Volt zwei verschiede­ne Stromquellen zur Verfügung.

Ist das Gefährt an Landstrom5 angeschlossen, können Sie in der Regel problemlos über die 230-Volt-Steckdose gleichzeitig auch den Pedelec-Akku laden. Eventuell ist in Ihrem Wohnmobil be­reits ein sogenannter Wechselrichter eingebaut, der den Bordstrom passend auf 230 Volt umwan­delt. In diesem Fall können Sie auch ohne den Landstromanschluss den Pedelec-Akku laden6.

Alternativ nutzen Sie das 12 Volt-Gleichstrom-Bordnetz, an den Sie einen Wechselrichter aus dem Fachhandel anschließen, den Sie wiederum mit dem Pedelec-Akku-Ladegerät verbinden. Sie sollten möglichst zu einem hochwertigen Wechselrichter mit 500 Watt und echter Sinusspannung greifen. Billige Gleichrichter liefern nur eine Trapezspannung, mit der sie die angeschlossenen Geräte möglicherweise zerstören. Für einen guten Wechselrichter müssen Sie mit Kosten zwischen 200 bis 1000 Euro kalkulieren7.


Geöffneter Sinusspannung-Wechselrichter für 12 V auf 230 V. Foto: Kaspars Dambis8

Beim Nachladen über das Bordnetz sollten Sie die Bordspannung Ihres Wohnmobils genau beob­achten, damit es dort nicht zur Tiefentladung kommt. Die Bordbatterie(n) sollten daher mindestens 100, besser 200 Ah aufweisen. Während der Fahrt mit dem Wohnmobil müssen Sie sich dagegen kaum Gedanken über den Wechselrichter machen, denn die Batterie wird ja durch die Lichtma­schine aufgeladen.


  1. http://www.eafo.eu/electric-vehicle-charging-infrastructure

  2. https://www.smarter-fahren.de/elektroauto-ladezeit

  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Ladesäulenverordnung

  4. https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Sachgebiete/ElektrizitaetundGas/Unternehmen_Institutionen/HandelundVertrieb/Ladesaeulenkarte/Ladesaeulenkarte_node.html

  5. Als Landstrom wird der Anschluss an das Landnetz auf Stell- und Campingplätzen bezeichnet.

  6. https://de.camperstyle.net/strom-im-wohnmobil

  7. https://www.promobil.de/tipp/e-bike-laden-im-wohnmobil-ladestation-wechselrichter

  8. https://www.flickr.com/photos/kasparsdambis/albums/7215766601807804