Dies ist ein Auszug aus dem Buch Blackout - eine unterbelichtete Republik von Rainer Gievers
Publiziert am 15. Januar 2026
Der klassische Sozialismus ist explizit kollektivistisch. Unter dem Begriff Kollektivismus versteht man politische und gesellschaftliche Ordnungsvorstellungen, bei denen kollektive Interessen (Volk bzw. Gesellschaft) gegenüber dem einzelnen Individuum priorisiert werden. Zentrale Güter wie Eigentum, Macht und Verantwortung sind gemeinschaftlich organisiert. Der Kollektivismus ist eine politische Fantasie: ein Zwangssystem mit wohlwollenden Absichten, das Macht in den Händen weniger konzentriert.
Im 20. Jahrhundert waren Regime, die nach kollektivistischen Prinzipien organisiert waren – ob sozialistisch, kommunistisch oder Mischformen – für den Tod von mindestens hundert Millionen Menschen verantwortlich. Diese Zahl entspricht dem Konsens seriöser Historiker. Beispiele sind Maos China, Stalins Sowjetunion, Pol Pots Kambodscha, Castros Kuba, Kims Nordkorea sowie Chávez’ und Maduros Venezuela.
Bereits die amerikanische Verfassung weist kollektivistische Ordnungsvorstellungen ausdrücklich zurück. Ihr normativer Ausgangspunkt ist das freie Individuum, eingebettet in ein vorstaatliches moralisches Gefüge aus Familie, Religionsgemeinschaften, freiwilligen Vereinigungen und zivilgesellschaftlichen Institutionen. Märkte sind in diesem Verständnis keine wertneutralen Räume, sondern operieren innerhalb dieses moralischen Ökosystems. Freiheit wird nicht als soziale Vereinzelung verstanden, sondern als Voraussetzung persönlicher Verantwortung in einer pluralistischen Gesellschaft. Dieser Ordnungsrahmen ist nüchtern, institutionell abgesichert und historisch hart erarbeitet.
Im Gegensatz dazu erzeugt Kollektivismus keine Wärme. Er zentralisiert Verantwortung und entzieht damit dem moralischen Leben Wahlmöglichkeiten, Verpflichtungen und Bedeutung. Fürsorge wird bürokratisch, Solidarität zur Pflicht, Andersdenken zum Egoismus. Der Einzelne wird nicht als moralisches Wesen behandelt, sondern als Rohstoff für ein kollektives Projekt. Diese Erfahrung ist historisch vielfach belegt.
Jedes kollektivistische Projekt beginnt mit Versprechen von Wärme, Fürsorge und Gerechtigkeit. Es endet mit Knappheit, Unterdrückung und Machtkonzentration fernab der Menschen, denen es angeblich dienen soll. Die Tragödie besteht nicht im Streben nach Solidarität, sondern in der Verwechslung von Solidarität mit Kontrolle.
Quelle:
Sozialisten sind häufig gut gebildet und rhetorisch versiert. Im Folgenden werden typische rhetorische Muster dargestellt, mit denen sozialistische bzw. kollektivistische Argumentationen arbeiten, sowie mögliche Gegenfragen.
Der Appell wird oft genutzt, um Debatten zu beenden. Kritik gilt dann als unsolidarisch. Solidarität beruht jedoch auf freiwilliger Gegenseitigkeit. Wird sie verordnet, verändert sie ihren Charakter und wird zur Pflicht. Häufig wird Solidarität von jenen eingefordert, die die Kosten nicht selbst tragen.
Gegenfrage: Wer ist „wir“, wer entscheidet – und wer zahlt dafür?
Diese Forderung unterstellt eine Allzuständigkeit des Staates. Grundrechte dienen jedoch dazu, staatliche Eingriffe zu begrenzen. Kein Gesetzgeber kann die Vielfalt individueller Lebenslagen vollständig erfassen. Wo Politik versucht, jedes Risiko zu regulieren, ersetzt sie Freiheit durch Verwaltung.
Gegenfrage: Auf welcher gesetzlichen Grundlage?
Diese Formulierung ist kein Argument, sondern eine Diskussionssperre. Eine umstrittene Position wird als offensichtlich dargestellt, Abweichung moralisch delegitimiert.
Gegenfrage: Und was passiert mit jemandem, der das nicht will?
Dies fungiert als moralischer Schutzschild. Weder wird klar definiert, wer konkret profitieren soll, noch wer über Mittelverwendung entscheidet.
Gegenfrage: Wer erhält das Geld tatsächlich – und wer verwaltet es?
Ein gesellschaftliches Signal bewertet Maßnahmen nach ihrer moralischen Ausstrahlung statt nach messbaren Ergebnissen. Kritik wird als Signalsabotage abgewertet.
Gegenfrage: Woran erkennst du, dass es funktioniert hat?
Der Begriff dient der Beruhigung von Kritik. Viele dauerhafte Maßnahmen begannen als „vorübergehend“.
Gegenfrage: Wann endet sie – und wer entscheidet das?
Diese Forderung moralisiert Verteilung, ohne Grenzen oder Logik zu benennen. Das Bundesverfassungsgericht hat mehrfach festgestellt, dass Vermögensbesteuerungen in diskutierter Form verfassungsrechtlich problematisch sind. Bevor neue Belastungen eingeführt werden, sollte die Ausgabenseite geprüft werden.
Gegenfrage: Wärst du bereit, von deinem eigenen Vermögen entsprechend abzugeben?
Frauen wählen statistisch signifikant häufiger links der politischen Mitte als Männer. Während Männer überproportional FDP und AfD wählen, werden Grüne und SPD häufiger von Frauen unterstützt. Dieses Phänomen wird als Modern Gender Gap bezeichnet.
Besonders ausgeprägt ist diese Tendenz bei jungen Frauen im Alter von 18 bis 34 Jahren. Soziologen sprechen von einer neuen politischen Kluft: Junge Frauen priorisieren feministische und ökologische Themen, während junge Männer teils mit einer Hinwendung zu konservativen Parteien reagieren. Bei der Bundestagswahl erzielte Die Linke bei jungen weiblichen Wählern einen Anteil von 27 Prozent.
Psychologische Studien (Big Five) zeigen bei Frauen im Durchschnitt höhere Werte bei der Persönlichkeitsdimension Verträglichkeit. Diese korreliert mit einer stärkeren Präferenz für soziale Gerechtigkeit, Sozialstaatlichkeit und pazifistische Außenpolitik.
Auch die berufliche Struktur spielt eine Rolle. Frauen arbeiten überproportional häufig in sozialen Berufen wie Bildung, Gesundheit und Pflege sowie im öffentlichen Dienst. Diese Sektoren profitieren direkt von einem starken Sozialstaat und höheren Staatsausgaben.
Darüber hinaus haben Frauen Männer bei Bildungsabschlüssen überholt. Höhere Bildung korreliert mit postmaterialistischen Werten wie Umweltschutz, Gleichstellung und Weltoffenheit, die zentrale Programmpunkte linker Parteien darstellen.
Ein weiterer Faktor ist soziale Stigmatisierung. Frauen reagieren im Durchschnitt sensibler auf soziale Sanktionierung und meiden Parteien, die im eigenen Umfeld negativ bewertet werden. Männer sind eher zu Protestwahlen bereit.