Dies ist ein Auszug aus dem Buch Blackout - eine unterbelichtete Republik von Rainer Gievers

Publiziert am 15. Januar 2026

Künstliche Intelligenz

Was ist künstliche Intelligenz (KI)?

KI bezeichnet die Fähigkeit von IT-Systemen, menschenähnliche intelligente Verhaltensweisen zu zeigen, wie logisches Denken, Lernen, Planen und Kreativität. Nach einer Lernphase mit großen Datenmengen führen die KI-Systeme selbsttätig Entscheidungen durch, statt fest programmierten Regeln zu folgen.

Trotz anthropomorpher Begriffe wie „Lernen“ verfügen heutige KI-Systeme über kein echtes menschliches Bewusstsein.

Wie funktioniert KI?

KI basiert auf künstlichen neuronalen Netzen (KNN), die biologischen Nervenzellen nachempfunden sind. Die künstlichen Neuronen gewichten eingehende Signale; überschreitet die Summe einen Schwellwert, wird das Signal weitergeleitet.

Das Training einer KNN erfolgt durch iterative Durchläufe, bei denen sie mit Inhalten „gefüttert“ wird. Dabei gibt es verschiedene Vorgehensweisen:

  • Überwachtes Lernen (mit Feedback)
  • Unüberwachtes Lernen (Mustererkennung in Rohdaten)
  • Bestärkendes Lernen (Trial & Error mit Belohnung)

Wenn es um interaktive KI geht, bei der ein Nutzer eine Frage eingibt und eine Antwort erhält, muss zwischen Chatbots und KI-Modellen unterschieden werden. Beispielsweise ist ChatGPT ein Chatbot, der standardmäßig das KI-Modell GPT-5.2 verwendet. Je nach Benutzeroberfläche kann jedoch auch auf andere Modelle umgeschaltet werden, etwa GPT-5.1 oder GPT-4o.

Gefahren und Probleme bei KI-generiertem Text

Berüchtigt ist die Tendenz von Chatbots, plausibel klingende, aber faktisch falsche Informationen zu erfinden. Bei kontroversen Themen liefert KI zudem Vorurteile, Stereotypen oder kulturell einseitige Inhalte. Auch Desinformation und Propaganda kommen vor.

Dieses Verhalten ist auf einseitige Trainingsdaten zurückzuführen, die teilweise mehrere Jahrzehnte alt sind und moderne Sichtweisen nicht widerspiegeln.

Eine moralische und rechtliche Grauzone stellt das Training von KI-Modellen dar, da dieses häufig mit urheberrechtlich geschützten Texten ohne entsprechende Lizenzierung erfolgt.

Gefahren und Probleme bei KI-generierten Bildern und Videos

Viele Chatbots und Online-Anbieter unterstützen die KI-Generierung sowie Bearbeitung von Bildern und Videos. Damit stehen Laien und Profis Werkzeuge zur kreativen Selbstverwirklichung zur Verfügung, die vor wenigen Jahren noch als Science-Fiction galten.

Trotz hoher Ausgabequalität kämpfen KI-Generatoren weiterhin mit Inkonsistenzen:

  • Realitätsferne: Probleme mit physikalischen Gesetzen (Schwerkraft, Objektpermanenz) und Kausalitäten (z. B. Glas zerbricht vor dem Aufprall)
  • Inkonsistenzen: Mutierende Objekte, flackernde Kleidung oder wechselnde Gesichter in Videos
  • Bildfehler: Anatomische Fehler wie verformte Gliedmaßen, falsche Anzahl von Fingern oder unleserliche Schrift
  • Stereotypen: Klischeehafte Darstellungen oder Bias bei Geschlechterrollen
  • Rechtliche Risiken: Generierung urheberrechtlich geschützter Charaktere oder Stile lebender Künstler

Da der Aufwand gering und die Qualität hoch ist, ist die Schwelle für kriminelles Handeln – etwa Deepfakes für Betrug oder Rufschädigung – sehr niedrig.

Heutige Einsatzbereiche

KI wird bereits seit Jahren in vielen Bereichen eingesetzt, oft ohne dass Nutzer dies bewusst wahrnehmen. Beispiele sind:

  • Alltag: Sprachassistenten (Siri, Alexa), Smart-Home-Steuerung, personalisierte Empfehlungen
  • Medizin: Diagnostik (z. B. Krebsfrüherkennung), Wirkstoffforschung
  • Wirtschaft und Finanzen: Automatisierung von Routineaufgaben, Betrugserkennung
  • Industrie: Maschinensteuerung, Überwachung, Robotersysteme für Wartung und Disposition
  • Bildung: Personalisierte Lernpfade, Hausaufgabenhilfe, Erstellung von Unterrichtsmaterialien
  • Programmierung und Content: Code-Erstellung, Debugging, Text- und Marketing-Generierung

Wie wird sich die KI-Branche weiterentwickeln?

Ein aktueller Megatrend ist die sogenannte Agentic AI – KI-Systeme, die autonom Ziele verfolgen, planen, Werkzeuge nutzen und aktiv handeln. In den USA soll es künftig möglich sein, dass KI im Kundenauftrag selbstständig Online-Bestellungen auslöst.

Beim Unternehmenseinsatz steht KI noch am Anfang. Es ist mit einem Rückgang administrativer Tätigkeiten zu rechnen, während IT-Berufe voraussichtlich wachsen werden.

In China und den USA sind bereits Tausende selbstfahrende Taxis im Einsatz. Besonders hervorzuheben ist das Unternehmen Waymo, dessen Fahrzeuge unter anderem in Phoenix, San Francisco, Los Angeles, Atlanta und Austin unterwegs sind.

Mittelfristig dürften auch Haushaltsroboter sowie Pflege- und Betreuungsroboter für ältere Menschen marktreif und bezahlbar werden.

Europa verliert im Bereich der KI-Hochtechnologie zunehmend den Anschluss, unter anderem aufgrund strenger Regulierungen und hoher Energiekosten für Rechenzentren. So bietet Apple einige KI-Funktionen auf seinen Geräten in Europa derzeit nicht an.